Der wegen einer Verwechslung inhaftierte und nach einem Zellenbrand in Kleve gestorbene Syrer hat das Feuer einem externen Gutachten zufolge selbst gelegt. Das geht aus Bericht des Düsseldorfer Justizministeriums hervor. Demnach gehen die Ermittler von einer vorsätzlichen Brandstiftung "vermutlich mit suizidaler Absicht" aus. 

Das Motiv bleibe rätselhaft, sagte Justizminister Peter Biesenbach (CDU). Der über 60 Seiten lange Bericht soll am Mittwoch im Rechtsausschuss des Landtags Thema sein. Die Opposition hatte wegen des Falls Biesenbachs Rücktritt gefordert. An der Suizidtheorie hatte es Zweifel gegeben.

Unklar ist, ob frühere Hilfe in der Justizvollzugsanstalt Kleve möglich gewesen wäre. Laut dem Bericht hatte der Syrer mindestens 15 Minuten lang in der in Brand gesteckten Zelle ausgeharrt, bevor er über eine Gegensprechanlage versuchte, auf sich aufmerksam zu machen.

An der Gegensprechanlage "weggedrückt"?

Der Bedienstete am anderen Ende der Leitung habe ihm mitgeteilt, "dass er derzeit noch ein Telefonat zu führen habe und sich später melden würde", heißt es in dem Bericht. Danach habe der Gefangene "sich nicht weiter bemerkbar gemacht". Weitere Vernehmungen sollen ergeben, ob der Mann überhaupt angehört oder "weggedrückt" wurde. 

Der 26-jährige Syrer war Ende September – zwei Wochen nach dem Feuer in seiner Gefängniszelle – in einer Klinik gestorben. Er hatte bei dem Brand schwerste Verbrennungen erlitten. Die Behörden räumten später ein, dass er wegen einer Verwechslung mit einem anderen Mann mehr als zwei Monate zu Unrecht in Haft gewesen war. Der Syrer war bei einem Polizeieinsatz festgenommen worden, die Grundlage dafür war ein Haftbefehl aus Hamburg. Eine Anfrage an die dortigen Behörden ergab jedoch, dass das Brandopfer gar nicht der Gesuchte war. Offenbar hatte ein eigentlich gesuchter Mann aus Mali die Personalien des gestorbenen Mannes als Aliasnamen verwendet.

Dem verstorbenen Syrer hatten mehrere Frauen sexuelle Belästigung und Nachstellungen vorgeworfen – möglicherweise ein Grund, warum er sich nicht gegen die Haft gewehrt und auch keinen Anwalt verlangt habe, mutmaßte Justizminister Biesenbach.