Mexiko hat insgesamt 614 humanitäre Visa an Migrantinnen und Migranten aus Mittelamerika vergeben. Die Menschen, die vor allem aus Honduras in Richtung USA unterwegs waren, erhielten damit auch eine Arbeitserlaubnis, teilte die mexikanische Regierung mit. Bei einer Jobbörse seien Migranten mit lokalen Unternehmen zusammengebracht worden, die offene Stellen anzubieten haben. Zugleich seien im Rahmen der Arbeitsvermittlung auch die Beantragung der Visa organisiert worden.

Die Gruppen der Migrantinnen und Migranten aus Mittelamerika hatten sich schon vor einigen Wochen auf den Weg Richtung USA gemacht – vor allem aus Honduras, El Salvador und Guatemala. Sie fliehen vor Gewalt, Elend und wirtschaftlicher Not in ihrer Heimat und wollen in den USA um Asyl bitten. Nach Angaben des Innenministeriums sind in Mexiko derzeit rund 8.200 Menschen aus Mittelamerika unterwegs. In der größten Migrantenunterkunft in Tijuana befanden sich zuletzt rund 5.700 Menschen.

Am Sonntag war es an einem Grenzübergang zwischen den USA und Mexiko zu einem Aufeinandertreffen mit dem US-Grenzschutz gekommen. Hunderte Migranten zogen in Tijuana an die Grenzposten San Ysidro und El Chaparral. Rund 50 Migranten kletterten auf einen Blechwall, der noch auf mexikanischem Gebiet vor der US-Grenzmauer steht. US-Sicherheitskräfte schossen Tränengas auf die mexikanische Seite. Das mexikanische Außenministerium forderte anschließend eine Untersuchung des Vorfalls. US-Präsident Donald Trump verteidigte den Einsatz von Tränengas durch die Grenzschützer.

Mexiko widerspricht Einigung mit den USA

Am Samstag hatte die US-Regierung eine vermeintliche Einigung mit Mexiko bekannt gegeben. Demnach müssten Asylsuchende während der Prüfung ihres Antrags durch US-Gerichte in Mexiko bleiben. Die designierte mexikanische Innenministerin Olga Sánchez Cordero widersprach dieser Darstellung. Es sei "kein Vertrag irgendeiner Art" zwischen der künftigen Regierung von Mexiko und den USA geschlossen worden, teilte ihr Büro in einer Stellungnahme mit.

Trump hatte vor den Kongresswahlen in den USA Anfang November die Migrantinnen und Migranten aus Mittelamerika zu einem großen Thema gemacht. Er sprach von einer drohenden "Invasion" und stellte die Migranten als große Gefahr dar. Trump schickte mehrere Tausend Soldaten an die Grenze, zur Unterstützung der Grenzschützer. Kritiker warfen dem Präsidenten vor, bewusst Ängste zu schüren und aus Wahlkampfzwecken einen überzogenen Einsatz des Militärs anzuschieben.