Nach ihrer Entlassung aus pakistanischer Haft will die Christin Asia Bibi mit ihrer Familie offenbar nach Deutschland kommen. Ihr Anwalt Saif-ul-Malook sagte der Bild am Sonntag: "Meine Mandantin wäre glücklich, wenn sie mit ihrer Familie nach Deutschland ausreisen könnte."

Asia Bibi war 2010 wegen angeblicher Gotteslästerung in dem vorwiegend muslimischen Land Pakistan zum Tode verurteilt worden. Sie wurde aber kürzlich freigesprochen und aus dem Gefängnis entlassen. Das löste Proteste radikalislamischer Gruppen gegen die heute 51 Jahre alte fünffache Mutter aus. Die Demonstranten fordern Bibis Hinrichtung. 

Ihr Anwalt, der in die Niederlande geflüchtet war, mahnte zur Eile: "Es gibt für meine Mandantin keine gerichtlichen Auflagen. Sie kann gehen, wohin sie will. Aber die Zeit wird knapp." 

Deutschland ist offenbar bereit, Bibi und ihre Familie unter bestimmten Bedingungen aufzunehmen. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es laut Bild am Sonntag: "Wir sind mit der pakistanischen Regierung und unseren Partnern im Gespräch. Für uns steht der Schutz von Asia Bibi und ihrer Familie im Vordergrund." Mehrere europäische Länder seien mit Blick auf eine mögliche Aufnahme aufgeschlossen. "Dazu gehört selbstverständlich auch Deutschland", so das Außenministerium.

Zentralrat der Muslime lädt Asia Bibi zu interreligiöser Begegnung ein

Unterstützung für das Vorhaben kommt auch vom Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD): Er hat Asia Bibi zu einer Veranstaltung im Rahmen eines Interreligiösen Dialoges nach Deutschland eingeladen. "Wir begrüßen ausdrücklich die Aufhebung des Urteils durch die höchsten pakistanischen Gerichte und die kluge Haltung des pakistanischen Premierministers und sehen nun eine gute Chance, in einer offenen Atmosphäre über Religions- und Meinungsfreiheit zu diskutieren", sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek in Berlin. 

Der ZMD habe Bundeskanzlerin Angela Merkel daher um Hilfe für ein Einreisevisum für die Bundesrepublik gebeten. Auch stehe er mit dem pakistanischen Botschafter in Berlin im Kontakt. "Wir würden es zudem sehr begrüßen, wenn uns die katholische Kirche bei unserem Vorhaben einer interreligiösen Begegnung mit Frau Asia Bibi unterstützt", sagte Mazyek. Ein entsprechendes Schreiben sei bereits an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, geschickt worden.

Politikerinnen machen sich für Aufnahme von Asia Bibi stark

Auch mehrere Politikerinnen fordern nun eine Aufnahme von Asia Bibi in Deutschland. "Nach all dem Leid, das Asia Bibi und ihrer Familie zugestoßen ist, darf ihre Ausreise aus Pakistan nicht weiter in der Luft hängen, nur weil man sich nicht einigen kann, welches Land zu einer Aufnahme bereit ist", sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. Die Bundesregierung müsse jetzt handeln. "Das wäre ein starkes Zeichen für die Religionsfreiheit und die Menschenrechte", so Göring-Eckardt.

Ähnlich äußerte sich die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Bundestag, Gyde Jensen (FDP). "Die Bundesregierung muss alle diplomatischen Hebel in Bewegung setzen, um ihr Leben zu schützen", sagte sie dem Tagesspiegel. "In Pakistan scheinen nicht mehr Gerichte über Recht zu entscheiden, sondern ein radikaler Mob."

Bibis Ehemann Ashiq Masih hatte zuvor mehrere westliche Staaten um Asyl gebeten und dabei besonders an die italienische Regierung appelliert, seiner Familie zu helfen.