Aus Angst vor Inhaftierung weigern sich aus Seenot gerettete Menschen nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen in Libyen an Land zu gehen. Nach Angaben der Organisation harren seit Tagen 77 Flüchtlinge auf dem Frachtschiff Nivin im Hafen der Stadt Misrata aus. Zuvor seien bereits 16 Menschen – darunter Minderjährige und eine Mutter mit ihrem Baby – inhaftiert worden, nachdem sie von Bord gegangen waren.

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen konnten das Schiff laut eigenen Angaben betreten und die auf dem Mittelmeer geretteten Menschen behandeln. Manche der Geflüchteten seien zuvor in Libyen gefangen gehalten und von Menschenhändlern gefoltert worden. Ein Patient habe angegeben, dass er lieber auf dem Frachtschiff sterben würde, als in Libyen medizinisch behandelt zu werden.

Auf der Nivin befinden sich laut Ärzte ohne Grenzen unter anderen Flüchtlinge aus Eritrea, Somalia und dem Sudan. Libyen sei für sie kein sicheres Land, hieß es. Den Menschen drohten Misshandlung, Folter, Vergewaltigung und Zwangsarbeit.