Nach der katholischen Deutschen Bischofskonferenz möchte nun auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) den sexuellen Missbrauch in den eigenen Reihen untersuchen lassen. Geplant sind zwei Studien: eine über das Dunkelfeld des Missbrauchs, eine weitere über Risikofaktoren. Das kündigte die Präses der EKD-Synode an, die frühere Bundesministerin Irmgard Schwaetzer. 

Dabei wolle man mit den einschlägigen Stellen beim Bund zusammenarbeiten, sagte Schwaetzer. Die Durchführung der Studien sei von der Kirchenkonferenz beschlossen und in Auftrag gegeben worden. Zur Kirchenkonferenz gehören die leitenden Geistlichen und Juristen aller Landeskirchen der EKD. Weitere Details sollen am Dienstag bekannt gegeben werden, wenn die EKD-Synode über Missbrauch berät.

Der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, sagte, ihm gehe die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im deutschen Protestantismus "nicht schnell genug". Schon vor seinem Amtsantritt als bayerischer Landesbischof Ende Oktober 2011 habe ihn eine ältere Frau in seinem Universitätsbüro in Bamberg aufgesucht, um mit ihm über einen Missbrauchsfall zu reden.

"Wir werden nie glaubwürdig sein, dass wir zu 100 Prozent alles richtig machen", sagte Bedford-Strohm. Aber die Kirche müsse sich stets daran messen lassen, was sie selbst rede und verkündige.

Kurz zuvor hatte der Verein Evangelische Frauen in Deutschland (Efid) den Umgang der EKD mit dem Thema kritisiert. "Es gibt immer noch Leute, den EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm eingeschlossen, die mit dem Thema Missbrauch am liebsten nichts zu tun hätten und sich nicht ein bisschen in die Situation der Opfer einfühlen", sagte die Efid-Vorsitzende Susanne Kahl-Passoth, dem Kölner Stadt-Anzeiger. Forderungen von Opfern würden als unangenehm, lästig oder sogar unbillig abgetan.

Auch die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, eine Einrichtung des Bundes, hatte die EKD in der vergangenen Woche dazu aufgefordert, eine unabhängige Aufarbeitung zu ermöglichen. Schwaetzer sagte nun: "Wir arbeiten klar auf der Linie, die die Unabhängige Kommission von der EKD gefordert hat."