Die unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) dazu aufgefordert, eine unabhängige Aufarbeitung zu ermöglichen. Die Fälle von Missbrauch in einzelnen Institutionen und durch ihre Amtsträger ließen "auf strukturelle Ursachen in der Kirche schließen", sagte die Kommissionsvorsitzende Sabine Andresen vor Beginn der zwölften EKD-Synode. Diese findet ab Sonntag in Würzburg statt.

31 Betroffene aus der evangelischen Kirche haben sich nach Angaben der Kommission bislang gemeldet und von Missbrauch berichtet, davon sieben in Freikirchen. Etwa die Hälfte dieser Betroffenen habe sich noch nicht an die Kirche gewandt. Gründe hierfür seien Angst, Scham, Unsicherheit oder mangelnde Informationen über Anlaufstellen.

Die Kommission sprach fünf Empfehlungen für die EKD aus. Neben Haltung gegenüber Opfern betreffen diese eine unabhängige Aufarbeitung und eine Entschädigung sowie der Umgang mit Tätern. Zudem sollen betroffene Gemeinden und Einrichtungen unterstützt werden. Die EKD solle darüber hinaus mit dem Staat kooperieren und Unterstützung in Anspruch nehmen.

Die Aufarbeitungskommission hatte Anfang 2016 ihre Arbeit aufgenommen. Sie soll Ausmaß und Folgen von Kindesmissbrauch in Deutschland untersuchen und ist beim Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung angesiedelt.

Ein EKD-Sprecher begrüßte die Stellungnahme der Kommission. Der neue Beauftragtenrat der EKD werde sich mit den Empfehlungen der Kommission befassen und diese mit den eigenen Vorhaben zur bevorstehenden Synode abgleichen. Die EKD wolle weiter mit der Kommission zusammenarbeiten. Zudem habe der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Heinrich Bedford-Strohm den Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung Johannes-Wilhelm Rörig für die Dezembersitzung des EKD-Rates eingeladen.

Eine über mehrere Jahre entstandene Studie zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Deutschland hatte Ende September die Deutsche Bischofskonferenz präsentiert. Die Studienmacher stellten unter anderem fest, dass auch nach dem Bekanntwerden des Skandals vor acht Jahren die Kirche keine ausreichenden Schritte unternahm, um Missbrauch in Zukunft zu verhindern. Sie forderten grundlegende Strukturveränderungen.