Staatsanwaltschaft Dortmund - Ehemaliger KZ-Wachmann will nichts gemerkt haben Johann R. sagt, er habe nichts von den Massenmorden im KZ gewusst. Der 94-Jährige ist wegen hundertfacher Beihilfe zum Mord angeklagt. © Foto: Guido Kirchner/dpa

Im Prozess um hundertfache Beihilfe zum Mord im Konzentrationslager Stutthof hat der Angeklagte ausgesagt, sich nicht gegen seinen Einsatz gewehrt zu haben. Er habe Angst vor den Nazis gehabt und nur "unter Zwang" in der SS und im Lager gedient. Das ließ der 94 Jahre alte Angeklagte vor dem Landgericht Münster in einer Stellungnahme von seinem Anwalt vorlesen.

Der frühere SS-Wachmann bestritt die Gräueltaten im deutschen Lager der Nazis bei Danzig nicht. Laut Erklärung sei ihm auch der fürchterliche Zustand vieler Häftlinge nicht verborgen geblieben. Er habe als damals 18 Jahre alter SS-Wachmann allerdings von systematischen Massentötungen nichts mitbekommen. Eine Entschuldigung bei den Opfern oder Überlebenden äußerte der Angeklagte in seiner ersten Stellungnahme nicht. Die Staatsanwaltschaft wertete die Aussagen als unglaubwürdig.

Dem 94 Jahre alten Mann aus dem Kreis Borken in Nordrhein-Westfalen wirft die Staatsanwaltschaft vor, als Wachmann in dem Lager mehrere Hundert Morde zwischen 1942 und 1944 ermöglicht zu haben. Nach seiner Schilderung war der in Rumänien geborene Deutsche zuerst als untauglich für die Front eingestuft worden. Dann habe er den Befehl zum Dienst bei den SS-Wachmannschaften erhalten.

In Stutthof hatten die Nazis unter anderem polnische Staatsbürger, sowjetische Kriegsgefangene und Juden eingesperrt und getötet. Nach Angaben der für die Aufklärung von NS-Verbrechen zuständigen Zentralen Stelle in Ludwigsburg starben bis Kriegsende 65.000 Menschen in Stutthof und seinen Nebenlagern sowie bei den sogenannten Todesmärschen. Der Prozess, bei dem es sich um eines der letzten Verfahren wegen Massenverbrechen während der Nazizeit handeln dürfte, soll bis Februar dauern.