Staatsanwaltschaft Dortmund - Ehemaliger SS-Wachmann aus dem KZ Stutthof vor Gericht Dem 94-Jährigen Mann wird hundertfache Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Er soll von 1942 bis 1944 in dem Konzentrationslager nahe Danzig Dienst getan haben. © Foto: Guido Kirchner/dpa

Vor dem Landgericht Münster hat der Prozess gegen einen ehemaligen SS-Wachmann im deutschen Konzentrationslager Stutthof begonnen. Die auf Naziverbrechen spezialisierte Dortmunder Staatsanwaltschaft wirft dem 94 Jahre alten Mann aus dem Kreis Borken im Münsterland hundertfache Beihilfe zum Mord vor. Mindestens 27.000 Häftlinge starben bis Kriegsende im Konzentrationslager Stutthof.

Der Angeklagte soll als SS-Wachmann in dem deutschen Konzentrationslager bei Danzig von Juni 1942 bis September 1944 Dienst getan haben. Er hat laut Anklage nicht nur mitbekommen, wie Häftlinge getötet wurden. Als Wachmann soll er viele grausame Morde erst möglich gemacht haben. Seinen Dienst begonnen hatte er als 18-Jähriger.

Der Angeklagte wurde in einem Rollstuhl in den Gerichtssaal geschoben. Er hörte sich äußerlich unbewegt die Schilderungen der Anklage an. Darin ging es um Tötung der Häftlinge mit Gas, aber auch um gezieltes Erschießen bei vorgetäuschten medizinischen Untersuchungen. Oberstaatsanwalt Andreas Brendel sagte zum Verfahrensauftakt, in Stutthof seien Lagerinsassen vergast und in Genickschussanlagen getötet worden sowie durch Hunger und Kälte gestorben.

An dem Verfahren nehmen 17 Nebenkläger, darunter aus Israel und den USA, teil. Sie wurden am ersten Prozesstag von elf Anwälten vertreten. Die Verteidiger kündigten an, dass sich der 94-Jährige im Laufe des Verfahrens äußern will. Der Zeitpunkt sei allerdings noch offen.

Das Internationale Auschwitz Komitee teilte zum Auftakt des Prozesses mit: "Wir danken insbesondere den Überlebenden des Lagers und ihren Angehörigen für den Mut und die Entschlossenheit, in Münster als Nebenkläger auszusagen. Dies werden schmerzliche Tage für sie alle. Sie haben so wie alle Überlebende unendlich lange auf die deutsche Justiz und auf die Gerechtigkeit warten müssen", so Vizepräsident Christoph Heubner.

Bis Mitte Januar sind 13 weitere Verhandlungstermine angesetzt. Ursprünglich sollte noch ein zweiter Angeklagter vor Gericht in Münster sitzen. Es ist jedoch umstritten, ob der Mann aus Wuppertal verhandlungsfähig ist. Über eine Zulassung der Anklage soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.