Die schwere Wirtschaftskrise in Venezuela zwingt immer mehr Menschen ins Exil: Wie aus Zahlen des UN-Flüchtlingshilfswerks und der Internationalen Organisation für Migration hervorgeht, leben derzeit mehr als drei Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner im Ausland. Davon sind rund 2,4 Millionen in Lateinamerika und der Karibik untergekommen. Größtes Aufnahmeland ist dabei Kolumbien: Dort leben inzwischen mehr als eine Million Venezolaner. Täglich überschreiten laut UN bis zu 6.000 Menschen die Grenze zwischen den beiden südamerikanischen Staaten.   

Seit August haben damit allein rund 700.000 Venezolanerinnen ihr Heimatland verlassen: Damals sprach die UN noch von 2,3 Millionen Menschen aus Venezuela, die im Exil leben – 1,6 Millionen von ihnen in Lateinamerika und der Karibik. Diese Länder haben nach Einschätzung des Beauftragten der beiden UN-Organisationen für die Migranten aus Venezuela, Eduardo Stein, eine lobenswerte Politik der offenen Tür verfolgt, aber ihre Aufnahmekapazitäten seien bereits sehr beansprucht. Er forderte deshalb eine zuverlässige Reaktion der internationalen Gemeinschaft, damit diese Solidarität weiter beibehalten werden könne.

Seit Anfang 2017 verschlechtert sich die politische und wirtschaftliche Situation in Venezuela zusehends. Hyperinflation, Knappheit bei Nahrungsmitteln und Medikamenten sowie Engpässe bei der Strom- und Wasserversorgung machen vielen Venezolanern zu schaffen. Außerdem geht die autoritäre Regierung von Präsident Nicolás Maduro hart gegen Oppositionelle vor. Seit 2015 haben laut UN 1,6 Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner das Land verlassen. Rund 60 Prozent der nach Brasilien Geflüchteten sind inzwischen in andere Länder Südamerikas weitergezogen.

Durch die hohe Zahl von Flüchtlingen sind die umliegenden Länder zunehmend überfordert. Peru und Ecuador haben deshalb im August schärfere Einreisebestimmungen für Venezolaner eingeführt, um die Zahl der Flüchtlinge aus dem Land zu begrenzen. Tausende Migrantinnen und Migranten versuchten damals, noch vor Inkrafttreten der neuen Regeln über den Landweg in das Andenland zu gelangen. Im selben Monat hatte in Brasilien ein aufgebrachter Mob Hunderte Flüchtlinge über die Grenze zurück nach Venezuela getrieben.