Die UN-Kulturorganisation Unesco fordert, dass Flüchtlingskinder weltweit besser in die regulären Schulsysteme integriert werden. "Bildung muss inklusiv sein", sagte Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay bei der Vorstellung des Weltbildungsberichts. Demnach schaffen die meisten Regierungen in Krisenzeiten spezielle Bildungsangebote für Flüchtlinge und damit Parallelsysteme jenseits der nationalen Schulsysteme.

Im deutschen Bildungssystem müsse laut den Autorinnen und Autoren des Berichtes einiges in diesem Bereich verbessert werden. In Deutschland besuchten im vergangenen Jahr 30 Prozent der unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten unter 16 Jahren und fast 85 Prozent der über 16-jährigen Sonderklassen, hieß es im Bericht. "Das gemeinsame Lernen aller muss die nächste Aufgabe sein, der sich das Land stellt", heißt es in dem Bericht.

Vor allem die Lehrerausbildung in den Zufluchtsländern muss laut dem Bericht verbessert werden. Sie müsse sich neben der Digitalisierung auch daran orientieren, welch unterschiedliche Voraussetzungen die Schülerinnen und Schüler hätten. Auch die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer, forderte, "interkulturelle Kompetenzen" fest in der Lehrerausbildung zu verankern. Laut Bericht bräuchte Deutschland 24.000 zusätzliche Lehrer und 18.000 weitere pädagogische Fachkräfte für die Bildung der Flüchtlinge.

Gelobt wurde Deutschland auch: Das Land habe bei der Integration von Flüchtlingen in das Bildungswesen bereits viel erreicht, sagte Böhmer. Dabei ging sie auf die umfangreiche Sprachförderung für Geflüchtete ein und lobte, dass ausländische Abschlüsse für den Arbeitsmarkt häufig anerkannt würden – hierbei rage Deutschland weltweit heraus. Fehlende Qualifikationen seien für viele Betroffene trotzdem ein Hindernis. Vor allem junge Frauen hätten Schwierigkeiten, in den deutschen Arbeitsmarkt integriert zu werden.

Flüchtlingskinder haben generell in wenigen Ländern viele Chancen auf eine gute Bildung, wie aus dem Bericht hervorgeht. Die Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen (UNHCR) schätzt die Einschulungsraten von Flüchtlingen weltweit auf 61 Prozent an Grundschulen und auf 23 Prozent an Sekundarschulen. Etwa vier Millionen Flüchtlinge im Alter zwischen 5 und 17 Jahren besuchten demnach im Jahr 2017 überhaupt keine Schule. Im Vergleich zu Einheimischen sei es für Flüchtlingskinder fünfmal so wahrscheinlich, nicht zur Schule zu gehen, sagte der beigeordnete Flüchtlingskommissar für Schutzfragen beim UNHCR, Volker Türk.

Laut Unesco ist die Zahl der Menschen auf der Flucht auf dem höchsten Stand seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Von den 19,9 Millionen Flüchtlingen, die derzeit unter dem Schutz des UNHCR stehen, ist mehr als die Hälfte jünger als 18 Jahre.

Deutschland werde seinen Beitrag für den eigens für Bildung in Krisen und Konflikten eingerichteten Fonds Education Cannot Wait auf 31 Millionen Euro erhöhen, kündigte der Staatssekretär des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Martin Jäger, an. Damit würde es seinen bisherigen Beitrag fast verdoppeln.