Die Stadt Wien will doch nicht die Namensschilder an Türklingeln entfernen. "Wir stoppen den Tausch der Namensschilder gegen Topnummern", kündigt Frauen- und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál (SPÖ) in einer Mitteilung der Stadtverwaltung an. Der Grund: Es gebe zu dem Thema unterschiedliche rechtliche Auffassung und viele Menschen wollten ihre Namensschilder behalten.

Auf Beschwerde eines unbekannten Bewohners sollten Anfang Oktober in Wien etwa 220.000 Mieterinnen und Mieter städtischer Wohnungen ihre Namensschilder an den Türklingeln verlieren und stattdessen anonymisierte Nummern erhalten. Der Betroffene berief sich dabei auf die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und argumentierte, dass seine Privatsphäre nicht genügend geschützt sei, wenn sein Name auf dem Klingelschild stehe. Nachdem die Wiener Datenschutzabteilung diese Auffassung bestätigte, wurde Anfang November mit dem Austausch der Schilder begonnen.

Auch österreichische Datenschützer teilten diese Auffassung und forderten eine Ausweitung auf private Vermieterinnen und Vermieter. Demnach könnten Mieterinnen und Mieter bei Verstoß gegen das bereits seit 1980 geltende Verbot, Namensschilder anzubringen, Schadensersatz fordern. Zudem riet auch der deutsche Immobilieneigentümerverband Haus und Grund seinen Mitgliedern, die Namensschilder zu entfernen.

Allerdings gibt es noch keine Gerichtsurteile zu den Namensschildern und auch die EU-Kommission ließ zwischendurch verlauten, dass nach ihrer Interpretation die Namensnennung zulässig sei. Deshalb sieht die Stadt Wien bis auf weiteres von der Entfernung der Schilder ab. "Auch die bisher gegen Topnummern getauschten Schilder werden wieder mit Namen versehen", teilte Stadträtin Gaál mit.

Wer trotzdem eine Topnummer haben möchte, könne sich laut Gaál bei der Wiener Wohnungsbaugesellschaft melden. Bei neuen Mieterinnen und Mieter wird zukünftig eine Nummer angebracht – sie können dann selbstständig das Klingelschild mit ihrem Namen beschriften.