Josef Schuster ist erneut zum Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt worden. Das Präsidium des Zentralrats wählte den 64-Jährigen im Rahmen einer nicht öffentlichen Versammlung in Frankfurt am Main einstimmig für weitere vier Jahre, teilte der Zentralrat mit. Der Würzburger Internist hat das Ehrenamt seit dem 30. November 2014 inne.

"Auch in Zeiten eines wachsenden Antisemitismus lassen wir uns nicht entmutigen", erklärte Schuster nach seiner Wiederwahl. "Wir werden unseren Beitrag zu einem toleranten und weltoffenen Deutschland leisten", so Schuster weiter. 

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, begrüßte Schusters Wiederwahl. "In diesen schwierigen Zeiten, da der Judenhass in der Gesellschaft und leider auch in der Politik wieder aufflammt, halte ich es für die angemessene Entscheidung und das richtige Signal, durch eine zweite Amtszeit für Kontinuität an der Spitze des Zentralrats zu sorgen."

"Ein Glücksfall nicht nur für das Judentum in Deutschland"

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, gratulierte Schuster zur Wiederwahl: "Er ist ein Glücksfall, nicht nur für das Judentum in Deutschland, sondern auch für unser ganzes Land. Ich freue mich darauf, seine starke, profilierte und kluge Stimme in der Öffentlichkeit auch zukünftig zu hören", hieß es in einer Mitteilung.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, gratulierte Schuster ebenfalls. "Ich freue mich über diese Entscheidung und bin dankbar, dass so unsere gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit kontinuierlich fortgesetzt werden kann", sagte Kardinal Marx. In diesen Tagen seien die öffentlichen Debatten wieder von der Migrationsfrage geprägt: "Mit Differenzierung und Sachlichkeit weisen Sie auf Integrationsprobleme hin, ohne die Flüchtlinge oder die Muslime als Gruppe anzugreifen."

Das Präsidium des Zentralrats hat neun Mitglieder, die für je vier Jahre gewählt werden. Der Zentralrat der Juden wurde 1950 gegründet und ist der zentrale Dachverband der jüdischen Gemeinden hierzulande. Er vertritt nach jüngsten Zahlen 105 jüdische Gemeinden mit zusammen knapp 98.000 Mitgliedern (Stand 2017). 

In Schusters erste Amtszeit fallen die Einführung von Felix Klein als Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung sowie die Erhöhung des jährlichen Bundeszuschusses für den Zentralrat um drei Millionen auf 13 Millionen Euro. Im Oktober hatte Schuster außerdem gesagt, er wolle sich bei einer Wiederwahl für die Einführung von Rabbinern bei der Bundeswehr, eine Verbesserung von Integrationskursen und die Realisierung einer Jüdischen Akademie einsetzen. Neben seinem Engagement im Zentralrat der Juden in Deutschland ist Schuster Vizepräsident des World Jewish Congress (WJC) und des European Jewish Congress (EJC).