In Frankreich ist ein viertes Opfer des Angriffs auf den Straßburger Weihnachtsmarkt gestorben. Die Person sei im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen erlegen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Eine fünfte Person ist hirntot.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron legte am Freitag eine weiße Rose auf dem zentralen Place Kléber in Straßburg nieder. Unter dem Denkmal für den elsässischen General Jean-Baptiste Kléber haben bereits viele Menschen Kerzen aufgestellt. Im Anschluss dankte der Staatschef den auf dem Platz versammelten Sicherheitskräften. Macron wollte auch mit den Familien der Opfer sprechen.

Der mutmaßliche Attentäter Chérif C. wurde am späten Donnerstagabend bei seiner Festnahme erschossen. Die Ermittler fahnden jetzt nach möglichen Komplizen, die ihn zu der Tat ermutigt oder bei den Vorbereitungen geholfen haben könnten. Nach Angaben von Chefermittler Rémy Heitz befinden sich sieben Menschen in Gewahrsam. Bei vier von ihnen handelt es sich demnach um Familienangehörige von C., bei den drei anderen um der Familie nahestehende Personen. Zwei von ihnen seien in der Nacht zum Freitag festgenommen worden.

Zum Motiv des mutmaßlichen Attentäters äußerte sich Heitz nicht. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte die Tat nach dem Tod C.s für sich. Der Angreifer sei ein Soldat des IS gewesen, behauptete das IS-Sprachrohr Amaq. Frankreichs Innenminister Christophe Castaner nannte die Reklamation opportunistisch, sie ändere nichts. "Hier war ein Mann in unserer Mitte, der das Böse nährte", sagte er.

Bekannt ist, dass Chérif C. Zeugen zufolge "Allahu Akbar" (Allah ist groß) gerufen haben soll. Außerdem sei eine Radikalisierung während eines Gefängnisaufenthaltes aufgefallen. Er wurde in zwei Antiterrorverzeichnissen der französischen Regierung geführt und vom Geheimdienst überwacht.

BKA warnt vor Nachahmern

Der Weihnachtsmarkt ist wieder geöffnet und auch an der deutsch-französischen Grenze entspannte sich die Lage. Es gab am Freitag keine zusätzlichen Kontrollen mehr. Die Einsatzkräfte zogen sich nach Angaben der Bundespolizei am Donnerstagabend gegen 23 Uhr zurück. Besonders streng war zuvor der Grenzübergang Kehl–Straßburg kontrolliert worden. Hier kam es zu längeren Verzögerungen im Straßenverkehr.

Das Bundeskriminalamt warnte vor möglichen Nachahmern. Die öffentliche Debatte über die Tat könne "tatinitiierend" für andere Täter sein, berichtete der Spiegel unter Berufung auf einen vertraulichen Lagebericht. Der Straßburger Anschlag konkretisiere "die seit längerer Zeit bestehende hohe abstrakte Gefährdung für europäische Staaten aus dem Bereich des islamistischen Terrorismus", heißt es demnach weiter in dem Papier. Es gebe derzeit aber keine Erkenntnisse, dass Weihnachtsmärkte in Deutschland konkret gefährdet seien.