Im Mordfall Peggy ist ein Tatverdächtiger wieder auf freiem Fuß. Wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten, hob das Amtsgericht Bayreuth den Haftbefehl gegen den Mann auf. Er wurde daraufhin aus der Untersuchungshaft entlassen. Die neunjährige Peggy war 2001 auf dem Heimweg von der Schule verschwunden und getötet worden.   

Der 41-jährige Verdächtige befand sich seit dem 11. Dezember in Haft. Er hatte zuvor ausgesagt, Peggys Leiche transportiert zu haben: Ein Bekannter habe ihm das leblose Mädchen an einer Bushaltestelle übergeben. Die Polizei zweifelte diese Version an.  

Kurz nach seiner Inhaftierung zog der Tatverdächtige sein Teilgeständnis zurück. Sein Anwalt Jörg Meringer sagte dem Bayrischen Rundfunk damals, die Polizei habe seinen Mandanten bei der Vernehmung im September stark unter Druck gesetzt. "Er wollte irgendwann nur noch aus dieser Situation heraus und hat deshalb dann einfach das gesagt, was man von ihm hören wollte", sagte Meringer. "Ich bin fest davon überzeugt, dass er weder mit der Tötung von Peggy noch mit der Verbringung der Leiche etwas zu tun hat." Nach der Freilassung fügte Meringer hinzu, es gebe keinen Beweis für die Beteiligung seines Mandanten an der Tötung von Peggy.  

"Kein dringender Tatverdacht"

Der Mann war ins Visier der Ermittler geraten, weil sie an den sterblichen Überresten des Mädchens Bestandteile von Torf gefunden hatten. Am Tattag hatte der Verdächtige Pflanzenarbeiten durchgeführt. Außerdem fanden die Beamten Farbreste, wie sie in Renovierungsmüll vorkommen. "Den Ermittlern war bekannt, dass der jetzt Beschuldigte damals umfangreiche Renovierungsarbeiten ausgeführt hatte", hieß es im September. Auch ein angebliches Alibi des Mannes platzte den Ermittlern zufolge: Entgegen seinen früheren Angaben war er am Tattag in Lichtenberg unterwegs, wie Videoaufnahmen einer Bankfiliale zeigten.

Das Gericht kam nun zu dem Schluss, dass die Spuren keinen "dringenden Tatverdacht für eine Sexualstraftat oder ein Tötungsdelikt" begründeten. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, den Beschluss des Gerichts eingehend zu überprüfen und danach zu entscheiden, ob eine Beschwerde dagegen eingelegt werden soll.

Die neunjährige Peggy war 2001 auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Im Juli 2016 wurden Teile ihres Skeletts in einem Waldstück in Thüringen gefunden, etwa 15 Kilometer von Peggys Heimatort entfernt.

Im Lauf der Jahre gab es bei den Ermittlungen bereits mehrere Verdächtige. Aufmerksamkeit erlangte der Fall eines geistig behinderten Mannes, den ein Gericht 2004 als Peggys Mörder verurteilte, der aber zehn Jahre später in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen wurde. Zudem entdeckten Ermittler am Fundort von Peggys Skelett DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt. Diese stellten sich später aber als Verunreinigung eines Geräts der Spurensicherung heraus.