Die russische Bürgerrechtlerin und Kremlkritikerin Ljudmila Alexejewa ist tot. Sie sei nach schwerer Krankheit im Alter von 91 Jahren in Moskau gestorben, teilte der Menschenrechtsrat des russischen Präsidenten mit. "Das ist ein schrecklicher Verlust für die gesamte russische Menschenrechtsbewegung", sagte der Vorsitzende des Rates, Michail Fedotow.

Auch der russische Präsident Wladimir Putin würdigte ihre Arbeit. "Der Präsident schätzt den Beitrag von Ljudmila Alexejewa für die Entwicklung der Zivilgesellschaft in Russland sehr", sagte sein Sprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge.

Alexejewa war eine der renommiertesten Bürgerrechtsaktivistinnen Russlands. Gemeinsam mit dem Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow gründete sie 1976 die Moskauer Helsinki-Gruppe, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzte. Nach Kritik an politischen Prozessen wurde sie aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen und erhielt Berufsverbot. 1977 musste Alexejewa das Land verlassen und ging ins Exil in die USA. Erst 1993 kehrte sie nach Russland zurück. Seit 2004 war sie mit Unterbrechung Mitglied im Menschenrechtsrat.

Bis vor wenigen Jahren demonstrierte Alexejewa noch selbst auf der Straße. Mit 82 Jahren wurde sie festgenommen, als sie an einer Anti-Putin-Demonstration teilnahm. Zu ihrem 90. Geburtstag besuchte sie der Präsident persönlich. "Früher gab es so etwas nie", sagte die Menschenrechtlerin damals. "Früher waren die Zeiten andere", antwortete Putin.

Im Jahr 2009 nahm Alexejewa den Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments und, als "herausragende moralische Autorität", das Bundesverdienstkreuz entgegen. Im Jahr 2017 erhielt sie den Staatspreis der Russischen Föderation.