Der Chefredakteur des Recherchebüros Correctiv, Oliver Schröm, steht unter dem Verdacht, im Zuge der im Oktober veröffentlichten Recherchen über Cum-Ex- und Cum-Cum-Geschäfte zum Verrat von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen angestiftet zu haben. Aus diesem Grund ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen Schröm, teilte Correctiv mit.

Zusammen mit 18 Medienpartnern – darunter aus Deutschland ZEIT ONLINE, DIE ZEIT und das ARD-Magazin Panorama – hatte Correctiv unter Schröms Leitung mit den Recherchen den größten Steuerraubzug in Europa aufgedeckt. Es handelt sich um spezielle Aktiendeals, bei denen der Staat um Steuergelder gebracht wurde und die unter den Namen Cum-Ex und Cum-Cum bekannt geworden sind. Bei diesen Deals geht es darum, sich Steuern zu Unrecht vom Staat erstatten zu lassen. Durch Cum-Ex- und Cum-Cum-Steuertricks entstand dem Fiskus in Deutschland und mindestens zehn weiteren europäischen Ländern ein Schaden von mehr als 55 Milliarden Euro.

Laut Correctiv wurde erst jetzt bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Hamburg schon vor Monaten ein Ermittlungsverfahren gegen Schröm im Zusammenhang mit seinen Cum-Ex-Recherchen eingeleitet hat. Sie habe dazu einen mutmaßlichen Informanten vernehmen lassen. Wie Correctiv weiter mitteilte, übernahm die Hamburger Ermittlungsbehörde den Fall von der Staatsanwaltschaft Zürich, die "seit geraumer Zeit" gegen Schröm wegen des Vorwurfs der Wirtschaftsspionage und der Verletzung des Geschäftsgeheimnisses ermittele. Die Schweizer hätten ein Strafübernahmeersuchen gestellt.

Paragraf 17 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) untersagt Beschäftigten eines Unternehmens, Geschäfts- oder Betriebsgeheimnisse unbefugt an jemanden weiterzugeben "zu Zwecken des Wettbewerbs, aus Eigennutz, zugunsten eines Dritten oder in der Absicht, dem Inhaber des Unternehmens Schaden zuzufügen". Schröm könnte, falls ihm Anstiftung zum Verrat von Geschäftsgeheimnissen nachgewiesen wird, im schlimmsten Fall eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe drohen.

Kurz erklärt - Wie der Cum-Ex-Steuerskandal abgelaufen ist Es ist der wohl größte Steuerskandal der deutschen Geschichte. Wie Banken und Anwälte Milliarden entwendeten, zeigen wir in diesem Video. © Foto: Kerstin Welther

Schröm erfuhr nach eigenen Angaben erst durch Zufall, dass gegen ihn ermittelt wird: "Ein Gesprächspartner von mir wurde von der Polizei im Auftrag der Hamburger Staatsanwaltschaft vernommen. Er wurde befragt, ob er meine Quelle sei und ob er dazu Angaben machen könnte. Er hat die Aussage verweigert, hat mich dann aber informiert, dass offensichtlich Ermittlungen gegen mich laufen", zitiert NDR Info Schröm. Weiter sagte demnach Schröms Anwalt Jes Meyer-Lohkamp, er wundere sich, dass in der rund 300 Seiten umfassenden Ermittlungsakte neun entlastende Vernehmungsprotokolle fehlten.