Papst Franziskus hat bei der traditionellen Christmette an Heiligabend die menschliche Gier nach Konsum kritisiert. "Der Mensch ist gierig und fresssüchtig geworden", sagte der argentinische Pontifex im Petersdom in Rom. Für viele sei "das Anhäufen von Dingen" zum Lebensinhalt geworden, sagte der Papst und rief zur Besinnung auf die Spiritualität sowie zum Teilen mit den Armen auf: "Wir müssen den Gipfel des Egoismus überschreiten."

Eine unersättliche Gier durchziehe die menschliche Geschichte. "Während einige sich Festmahlen hingeben, haben viele andere kein Brot zum Leben", sagte Papst Franziskus in seiner Predigt. "Man darf nicht in die Schluchten des mondänen Lebens und des Konsums abrutschen", sagte er.

Das Christuskind, das in einem Stall geboren und in eine Futterkrippe gelegt wurde, eröffne ein anderes Lebensmodell: "Nicht verschlingen und hamstern, sondern teilen und geben." Er appellierte an die Gläubigen, sich zu fragen: "Schaffe ich es, auf viele überflüssige Nebensächlichkeiten zu verzichten, um ein einfacheres Leben zu wählen?" Die Weihnachtsgeschichte gebe zu verstehen, dass nicht der Besitz, die Gier oder der Überfluss, essenziell für das Leben seien, sondern die Liebe, die Nächstenliebe und die Einfachheit.

Einsatz für Arme und Ausgegrenzte

Papst Franziskus ruft immer wieder zu Bescheidenheit auf oder übt Kritik an der Konsumgesellschaft. Franziskus ist auch für seinen Einsatz für Arme und Ausgegrenzte in der Gesellschaft bekannt. Immer wieder lädt er Obdachlose oder Flüchtlinge in den Vatikan ein oder trifft Häftlinge. Im vergangenen Jahr hat er an Heiligabend zu Mitgefühl für Verfolgte aufgerufen.

In diesem Jahr leitete der Papst zum sechsten Mal die Weihnachtsfeierlichkeiten im Vatikan. Den Gottesdienst, die Christmette, feierte der Papst mit rund 10.000 Gläubigen, zahlreichen Kardinälen und Bischöfen in der Peterskirche. Am 25. Dezember um zwölf Uhr richtet der 82-Jährige von der Loggia des Petersdoms aus seine Weihnachtsbotschaft an die Welt.