Italien und Malta haben einem Rettungsschiff mit rund 300 Flüchtlingen an Bord untersagt, in ihren Häfen anzulegen. Italiens Innenminister Matteo Salvini verwies auf die Schließung der italienischen Häfen für aus Seenot gerettete Flüchtlinge und twitterte: "Meine Antwort ist klar: Italiens Häfen sind zu. Für die Menschenhändler und ihre Helfer ist der Spaß vorbei."

Die private spanische Hilfsorganisation Proactiva Open Arms hatte die Menschen eigenen Angaben zufolge am Freitag vor der libyschen Küste an Bord genommen. Sie waren demnach auf drei verschiedene Boote verteilt, die unterzugehen drohten.

Proactiva Open Arms twitterte, trotz des nahenden Weihnachtsfestes wolle kein Hafen die Flüchtlinge aufnehmen. Salvinis Äußerungen seien eine Reaktion auf die Bitte gewesen, die Flüchtlinge aufzunehmen, so die Nichtregierungsorganisation. Malta habe es abgelehnt, dem Schiff Nahrungsmittel zur Verfügung zu stellen.

Unter den Geretteten waren den Angaben nach auch mehrere Schwangere sowie eine Mutter mit einem Neugeborenen. Wegen seines Gesundheitszustands sei das drei Tage alte Baby zusammen mit seiner Mutter mit einem Hubschrauber der Küstenwache nach Malta gebracht worden, hieß es. Proactiva Open Arms ist mit drei Schiffen vor der Küste Libyens im Einsatz. Eines davon, die Astral, bereite sich inzwischen darauf vor, seinen Kurs zu ändern, um der Open Arms zu helfen.

Mindestens 2.242 Ertrunkene

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration machten sich in diesem Jahr bislang mehr als 113.000 Menschen auf den gefährlichen Seeweg über das Mittelmeer nach Europa. Gut 56.000 gelangten über das westliche Mittelmeer nach Spanien, rund 31.000 kamen nach Griechenland und etwas mehr als 23.000 nach Italien. Viele Migrantinnen und Migranten haben die Fahrt nicht überlebt: 2.242 Menschen ertranken oder werden vermisst. Mehr als die Hälfte von ihnen versuchte laut UN, von Libyen nach Italien oder Malta zu gelangen.

Die frühere italienische Parlamentspräsidentin Laura Boldrini von der Linkspartei Liberi e Uguali kritisierte Salvinis harte Haltung scharf. Selbst in den Tagen vor Weihnachten äußere sich der Minister abschätzig und vergesse sowohl "die Werte der Verfassung wie des Evangeliums, das er immer wieder instrumentalisiert".