Nach dem gewaltsamen Tod zweier junger Mädchen in Israel haben Tausende Menschen in Tel Aviv gegen Gewalt gegen Frauen demonstriert. Mehrere Frauenorganisationen forderten von der Regierung umgerechnet knapp 60 Millionen Euro für ein Programm zum Schutz von Frauen, wie israelische Medien berichteten.
Nach Angaben der Organisatoren kamen am Abend mindestens 20.000 Menschen auf dem zentralen Rabin-Platz zusammen, wie die Nachrichtenseite ynet berichtete. Frauen hielten Schilder mit Aufschriften auf Hebräisch und Arabisch: "Frauen werden umgebracht, die Regierung bleibt stumm" und "Das Blut von Frauen ist nicht billig", hieß es darauf. Sie forderten Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zum Handeln auf. Aktivisten stellten rund 200 rot gefärbte Paar Schuhe auf, die Gewalt gegen Frauen symbolisieren sollten, außerdem blockierten Demonstrantinnen und Demonstranten große Kreuzungen. "Wir mussten etwas Radikales tun", sagte eine der Organisatoren, Ruti Klein.
Vergangene Woche war in Tel Aviv ein rund 12 Jahre altes Mädchen mutmaßlich vom Ex-Freund der Mutter getötet worden. Ein 16 Jahre altes Mädchen war im Norden des Landes tot aufgefunden worden, nachdem es mehrere Tage als vermisst gegolten hatte. Die Polizei nahm anschließend mehrere Verdächtige fest.
Organisatoren fordern Aktionsplan gegen Gewalt gegen Frauen
Auch im Rest des Landes protestierten zahlreiche Menschen. In Jerusalem etwa spritzten Demonstranten rote Farbe auf eine Straße, auf der Schilder mit den Namen getöteter Frauen lagen. An den landesweiten Protesten beteiligten sich religiöse und nicht religiöse Israelis, Juden und Araber. Etwa 300 Firmen und öffentliche Einrichtungen unterstützten die Proteste. Einige Unternehmen gaben den Frauen frei, um an den Demonstrationen teilzunehmen.
Die Organisationen hatten bereits tagsüber zum Streik aufgerufen. Sie fordern von der Regierung, einen im vergangenen Jahr angekündigten Aktionsplan zum Kampf gegen Gewalt gegen Frauen umzusetzen. Die Regierung habe ein Programm mit entsprechendem Budget bereits 2017 gebilligt, das Geld jedoch nicht bereitgestellt, berichtete das israelische Radio.
Seit Jahresanfang sind in Israel laut Medienberichten insgesamt 24 Frauen in Folge häuslicher Gewalt gestorben. Nach Angaben der Anwältin und Mitorganisatorin Keren Greenblatt sind in Israel pro Jahr außerdem rund 200.000 Frauen aufgrund ihres Geschlechtes Gewalt ausgesetzt. "Wir hoffen, jeden damit wachzurütteln", sagte sie vor den Protesten. "Es ist an der Zeit, dass wir unsere Differenzen beiseitelegen und gemeinsam kämpfen, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen."
Kommentare
"Seit Jahresanfang sind in Israel laut Medienberichten insgesamt 24 Frauen nach häuslicher Gewalt gestorben. "
Details zum Hintergrund der Opfer und Täter wären zur Einordnung hilfreich. Ach je, wie viele Frauen sind seit Jahresbeginn terroristischen Anschlägen zum Opfer gefallen.
Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich und differenziert. Danke, die Redaktion/mf
Wäre doch schön, wenn Frauen sich zumindest zu Hause sicher fühlen könnten...
Gerade da ist man, statistisch gesehen, am unsichersten. Gewalt innerhalb der Familie/Partnerschaft/Bekanntenkreis gibt es weit häufiger, als den Fremden, der einem Gewalt antut.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mf
Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt.
Die Frage ist auch was Israels Regierung da realistisch gesehen überhaupt organisieren kann. Frauen vor gewalttätigen Männer aus dem eigenen Verwandten/Bekannten Kreis zu schützen ist, wenn es flächendeckend sein soll, eine der schwierigsten Sicherheitsaufträge die es geben kann. Und in Israel aufgrund der Religionsgemeinschaftsstruckturen und den Familien Strukturen und den Ortsstruckturen noch mal um einiges schwieriger als in Deutschland in den meisten Orten. Israel müsste mehr Einrichtungen für fliehende Frauen schaffen, sie schützen und ihnen zu einer neuen Identität verhelfen. Ausserdem die rechtlichen Grundlagen und die benötigten Arbeitskräfte für die Sicherheitsbehörden schaffen damit auch bei Fällen unterhalb von Mord ermittelt werden kann wenn es Hinweise auf Gewalt gibt. Und Bildungspolitisch dafür sorgen, dass Frauen über ihre Möglichkeiten informiert werden.
Wenn in einem Staat wie Israel eine Jüdin ihre Kandidatur zum Amt der Bürgermeisterin von Jersualem zurückziehen muss, weil sie zuviele Morddrohungen erhält, dann sind weniger fehlende Frauenhäuser das Kernproblem.