Die Ukraine hat künftig eine eigene orthodoxe Nationalkirche und löst sich damit weiter von Russland. Bei einer Versammlung in Kiew stimmten Bischöfe von zwei ukrainischen orthodoxen Kirchen für eine Vereinigung. Die moskautreue orthodoxe Kirche in der ehemaligen Sowjetrepublik boykottierte die Synode weitgehend. Von ihr nahmen nur zwei Bischöfe teil.

Faktisch vereinigten sich die Ukrainisch-orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats und die kleinere Autokephale Kirche. Außen vor bleiben die Bistümer des Moskauer Patriarchats, die aber mehr Priester, Kirchen und Klöster zählen. Damit könnte es in Zukunft zu Konflikten um wichtige orthodoxe Heiligtümer wie das berühmte Höhlenkloster in Kiew kommen.

Zum Oberhaupt der neuen Kirche wählte die Versammlung den Metropoliten Epifani von Perejaslaw (39), der von Präsident Petro Poroschenko persönlich vorgestellt wurde. "Heute ist der Tag der endgültigen Erlangung der Unabhängigkeit von Russland", sagte Poroschenko. Gleichzeitig versicherte er, dass sich der Staat nicht in Kirchenangelegenheiten einmischen werde. Die Verfassung der Ukraine sieht eine strikte Trennung von Kirche und Staat vor.

Ökumenischer Patriarch will ukrainische Nationalkirche anerkennen

Die ukrainischen Pläne für eine eigene Kirche hatten schon vor Monaten einen heftigen Streit zwischen der Russisch-orthodoxen Kirche und dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel ausgelöst. Das Moskauer Patriarchat sieht die Ukraine als sein angestammtes Kirchengebiet. Das Oberhaupt der moskautreuen Orthodoxen in Kiew, Metropolit Onufri, sprach von einem Versuch, die Kirche zu spalten. 

Dagegen will die oberste Autorität der weltweiten Orthodoxie, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios in Istanbul, eine selbstständige Kirche in der Ukraine anerkennen. Am 6. Januar will er dem gewählten Oberhaupt einer ukrainischen Kirche den Erlass über die kirchenrechtliche Eigenständigkeit (Autokephalie) überreichen.