Ukrainische Einsatzkräfte haben drei moskautreue orthodoxe Kirchen durchsucht. Polizei und Geheimdienste nahmen außerdem Razzien bei Priestern der ukrainisch-orthodoxen Kirche vor, die sich zum Moskauer Patriarchat bekennen. Eine Polizeisprecherin sagte, bei den Durchsuchungen in der zentralen Region Dschitomir habe es keine Festnahmen gegeben. Grund für die Razzien war demnach der Verdacht auf Verletzung des Gesetzes über die Gleichberechtigung religiöser Überzeugungen.

Ein Vertreter der betroffenen Kirche, Erzbischof Kliment Wetscheria, sprach von einem Einschüchterungsversuch, wie es ihn zu Zeiten Stalins in der Sowjetunion gegeben habe. Der Metropolit Wissarion, ebenfalls Mitglied der moskautreuen Orthodoxie, sagte, die Sicherheitskräfte hätten Order gehabt, alles zu beschlagnahmen. Sie hätten sich aber zurückhaltend und tolerant verhalten.

Erst am Freitag war die Residenz des Metropoliten Pawlo durchsucht worden, der dem Moskauer Patriarchat untersteht und Vorsteher des Höhlenklosters in Kiew ist, einer der wichtigsten religiösen Stätten der orthodoxen Christen.

Spannungen nehmen zu

Die Razzien fanden vor dem Hintergrund der Loslösung der ukrainisch-orthodoxen Kirche von Russland statt. Bartholomäus I., Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel, hatte der Abspaltung im Oktober gegen den Widerstand aus Moskau offiziell zugestimmt. Die russisch-orthodoxe Kirche vollzog daraufhin den Bruch mit dem Ökumenischen Patriarchat mit Sitz in Istanbul. Auch der Metropolit Pawel hatte sich kritisch über die Loslösung der ukrainischen Kirche geäußert.

Ein Teil der Gläubigen in der Ukraine hält dem Kiewer Patriarchen Filaret die Treue, der in Moskau nicht anerkannt wird. Ein anderer Teil der Gläubigen steht weiterhin loyal zum Moskauer Patriarchat, dem zahlreiche Kirchen und Klöster in der Ukraine unterstehen. Die russisch-orthodoxe Kirche hatte wiederholt die Sorge geäußert, die Regierung in Kiew könne mit rechtlichen Maßnahmen oder dem Einsatz von Gewalt versuchen, den Einfluss aus Moskau zurückzudrängen.

Die Spannungen zwischen der Ukraine und Russland nahmen zuletzt auch auf politischer Ebene zu. Die russische Küstenwache hatte Ende November vor der Halbinsel Krim drei ukrainische Marineschiffe beschossen und 24 Besatzungsmitglieder festgenommen. Die Regierung in Kiew verhängte daraufhin ein 30-tägiges Kriegsrecht. Beide Seiten weisen sich gegenseitig die Schuld für die Konfrontation zu.