Die Sprecher von Papst Franziskus sind überraschend zurückgetreten. Der Pontifex habe den Rücktritt des bisherigen Chefs des Presseamtes, Greg Burke, und seiner Stellvertreterin Paloma García Ovejero akzeptiert, teilte der Vatikan mit. Interimschef werde nun der bisherige Social-Media-Koordinator der Kommunikationsabteilung, der Italiener Alessandro Gisotti.

"Paloma und ich treten zum 1. Januar zurück. Wir denken, es ist das Beste, dass der Heilige Vater zu diesem Zeitpunkt des Wandels in der vatikanischen Kommunikation komplett frei ist, ein neues Team zusammenzustellen", twitterte Burke. Der US-Journalist hatte das Amt vor rund zweieinhalb Jahren übernommen. García Ovejero war die erste Frau auf dem Posten im Pressesaal.

Seit Langem kämpft der Vatikan mit der Umstrukturierung seiner Kommunikationsabteilung, um die Medienarbeit auf die Höhe der Zeit zu bringen. Franziskus ist bekannt für Alleingänge und dafür, dass er gern offen sagt, was er denkt.

Der Direktor des Kommunikationsdikasteriums, Paolo Ruffini, sprach von einer "autonomen und freien Entscheidung" der beiden Sprecher. Es stehe nun ein "schwieriger Weg" an, "diese wichtige Reform" umzusetzen.

Erst vor Kurzem hatte der Vatikan führende Ämter in der Kommunikationsabteilung neu besetzt. Chefredakteur aller Medien des Kirchenstaates ist nun der italienische Journalist Andrea Tornielli, der für die Zeitung La Stampa jahrelang aus dem Vatikan berichtet hatte.

Mit dem Abtritt der beiden erfahrenen Journalisten muss der Vatikan nun mit einem neuen Team schwierige Zeiten durchstehen: Derzeit steht die katholische Kirche vor allem wegen Missbrauchsskandalen in verschiedenen Ländern in der Kritik. Dem Papst selbst wird vorgeworfen, nicht genug gegen pädophile Geistliche zu tun.

Im Februar findet ein Gipfel zum Thema Missbrauch in Rom statt. Der internationale Medienansturm und die Erwartungen werden groß sein – die erste große Herausforderung für das neue Team. Der Interimsleiter Gisotti sprach von einer "besonders anspruchsvollen Aufgabe", die auf ihn warte.