Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sissi eine neue Kathedrale eingeweiht. Bei der Explosion eines Sprengsatzes nahe einer Kirche in Kairo war am Vortag ein Polizist getötet worden. "Wir sind eins und werden das auch weiterhin sein", sagte Al-Sissi bei der Eröffnung der Kirche an der Seite des koptischen Papstes Tawadros II. Der oberste muslimische Geistliche des Landes, Ahmed al-Tajeb, betonte, das islamische Recht verlange von Muslimen nicht nur, Moscheen zu beschützen, sondern auch Kirchen.

Die Zeremonie in der Christi-Geburt-Kathedrale am Vorabend des koptischen Weihnachtsfestes in der künftigen Verwaltungshauptstadt des Landes 45 Kilometer östlich von Kairo war wegen des vorangegangenen Anschlags von einem hohen Sicherheitsaufgebot begleitet. Besucher mussten am Zugang des Gotteshauses drei Sicherheitsschleusen mit Metalldetektoren passieren, an der Zufahrt zur künftigen Verwaltungshauptstadt waren Panzer postiert. Nach Abschluss der letzten Bauarbeiten sollen in dem Gotteshaus mehr als 8.000 Gläubige Platz finden.

Anlässlich des Gottesdienstes veröffentlichte der Vatikan eine Videobotschaft von Papst Franziskus. "Möge der Friedensfürst Ägypten, dem Nahen Osten und der ganzen Welt Frieden und Wohlstand spenden", sagte das Katholikenoberhaupt. Die koptische Kirche habe auch in den schwierigsten Momenten "ein wahres Zeugnis des Glaubens und der Nächstenliebe" abgeben können. "Liebe Brüder und Schwestern, ihr habt Märtyrer, die eurem Glauben Stärke verleihen. Danke für euer Beispiel."

Lob von Donald Trump

US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter, er freue sich über die Eröffnung: "Präsident Al-Sissi bewegt sein Land in eine inklusivere Zukunft". Etwa zehn Prozent der knapp 100 Millionen Ägypter sind Kopten.

Der bei der Explosion am Samstag getötete Polizist hatte nach Angaben der Sicherheitsbehörden versucht, eine in einer Tasche versteckte Bombe zu entschärfen. Zwei Polizisten wurden verletzt. Trotz des Vorfalls hielten die Behörden an der Einweihung der Kathedrale fest, die nach ägyptischen Angaben die größte im Nahen Osten ist. Präsident Al-Sissi sollte am Sonntag zudem auch eine Moschee in der neuen Verwaltungshauptstadt des Landes einweihen.

Die christliche Minderheit der Kopten, die an diesem Montag Weihnachten feiert, ist in Ägypten immer wieder Ziel von Angriffen. Al-Sissi präsentiert sich gerne als Beschützer der ägyptischen Christen. Beobachter und Aktivisten werfen der Regierung jedoch vor, die Kopten nach wie vor zu diskriminieren und nicht ausreichend gegen Islamisten zu schützen. Die Kopten stellen rund zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass Tawadros II. koptischer Pope sei. Tatsächlich ist er jedoch koptischer Papst.