In den Alpen führt das erhöhte Schneevorkommen weiterhin zu Chaos. In Lech in Vorarlberg kamen mindestens drei Personen durch eine Lawine ums Leben: Eine Gruppe von vier Männern aus dem Raum Biberach in Baden-Württemberg wurde am Samstag nach Angaben der österreichischen Polizei in Lech von einer Lawine erfasst und verschüttet. Sie seien mit den Skiern zu einem Tagesausflug unterwegs gewesen.

Von drei der Männer wurden die Leichen geborgen, der vierte Mann gilt noch als vermisst. Wegen der starken Schneefälle und anhaltender Lawinengefahr sei die Suche nach dem Vermissten vorerst eingestellt worden, sagte Ludwig Muxel, der Bürgermeister von Lech. Durch die Witterungsbedingungen sei der Einsatz für die Rettungskräfte viel zu gefährlich. Ein Zeitfenster mit besserem Wetter sei derzeit nicht absehbar. Nach aktuellem Kenntnisstand waren die verunglückten Skifahrer abseits der gesicherten Pisten unterwegs.

Skiorte in Österreich nicht mehr erreichbar

Im österreichischen Bundesland Salzburg sind insgesamt rund 17.000 Menschen wegen Straßensperrungen von der Außenwelt abgeschnitten. Am Sonntagabend wurde laut den Behörden auch die Straße nach Obertauern wegen Lawinengefahr gesperrt. Allein im Ort Rauris warteten 3.000 Einheimische und 2.000 Gäste auf die Aufhebung der dortigen Straßensperren. Die Orte Unken, Lofer, St. Martin und Weißbach nahe der deutschen Grenze seien ebenfalls nicht mehr erreichbar, hieß es. Gefahr drohe den Eingeschlossenen aber nicht. "Sie alle sind medizinisch versorgt und wohlauf", sagte Markus Kurcz, Einsatzleiter des Landes.

Auch in Tirol und in Vorarlberg waren beliebte Skiorte wegen der großen Neuschneemengen nicht mehr erreichbar, darunter Ischgl, Sölden, Lech und Zürs. Bis Montagabend soll in vielen Regionen erneut mehr als ein Meter Schnee fallen. Durch den heftigen Sturm sind starke Verwehungen zu erwarten. Die örtlichen Lawinenkommissionen wollen am Montagmorgen erneut über die Lage beraten. Laut Meteorologen soll sich die Lage ab Dienstag deutlich entspannen.

Balderschwang nach Lawine von Außenwelt abgeschnitten

In den französischen Alpen starben zwei Pistenarbeiter bei einer Lawinensprengung. Aus zunächst ungeklärter Ursache sei es am Sonntagmorgen nahe der Skistation Morillon zu einer Explosion gekommen, hieß es von den Behörden. Das Skigebiet liegt unterhalb des Gipfels Pointe de Cupoire, etwa 20 Kilometer nordwestlich des Urlaubsgebietes Chamonix. In der Region herrsche die zweithöchste Lawinenwarnstufe. Um das Risiko von Schneerutschen zu verringern, würden derzeit fast täglich Sprengungen durchgeführt.

Im Oberallgäu in Bayern hat eine Lawine den Wintersportort Balderschwang von der Außenwelt abgeschnitten. Nach Angaben der Polizei Oberstdorf sitzen rund 1.300 Einwohner und Touristen in dem Ort fest. Die Versorgung sei gesichert. Die Zugangsstraße, der Riedbergpass, wurde bis auf Weiteres gesperrt. Auch in anderen Teilen Bayerns kam es wegen des Schnees zu Unfällen und Straßensperrungen. Am Sonntagmorgen wurden die Zufahrten zum Skigebiet Sankt Englmar im Bayerischen Wald bis auf Weiteres gesperrt, der Skibetrieb wurde eingestellt.

Ein Kubikmeter Schnee kann 500 Kilogramm wiegen

Im Süden Bayerns gilt die Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes vor starken oder extremen Schneefällen weiter: Bis zum Dienstag werden in den Alpen oberhalb von 1.000 bis 1.500 Meter bis zu 80 Zentimeter Neuschnee erwartet, in tieferen Lagen können bis zu 60 Zentimeter Neuschnee fallen. Regen und vorübergehendes Tauwetter in tiefer gelegenen Regionen könne den Schnee noch nasser und schwerer machen und die Last auf Hausdächern erhöhen, warnt Florian Bilgeri vom Deutschen Wetterdienst. Das Gewicht eines Kubikmeters Schnee könne durch Regenfälle "zwischen etwa 300 und 500 Kilogramm" erreichen.

In den fünf oberbayerischen Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Traunstein, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach und Berchtesgadener Land gilt seit Tagen der Katastrophenfall. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte am Samstag die Entsendung zusätzlicher Polizeikräfte in die betroffenen Regionen angekündigt. "Es gibt keinen Anlass zur Panik, aber schon zu ernster Besorgnis", hatte Söder bei einem Besuch in Bad Tölz gesagt.

An zahlreichen Schulen in Ober- und Niederbayern sowie im Allgäu fällt auch am Montag der Unterricht aus, weil ein sicherer Schulweg nach Behördenangaben nicht gewährleistet ist. In den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Oberallgäu sowie der Stadt Kempten findet bis einschließlich Dienstag kein Unterricht statt. Im Landkreis Traunstein wurde bis mindestens Mittwoch schneefrei gegeben.

Auch die Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sicherte den Landkreisen nach einem Besuch in Berchtesgaden Hilfe zu: "Die Bundeswehr bleibt so lange, wie sie gebraucht wird." Soldatinnen, Bereitschaftspolizisten, Helferinnen und Helfer von Feuerwehren, vom Bayerischem Roten Kreuz und weiteren Organisationen sind seit Tagen im Einsatz: Sie schaufeln Dächer frei, räumen Straßen und sichern Bäume.

"Von Reisen ins Allgäu wird abgeraten"

Erheblich eingeschränkt ist auch der Bahnverkehr in Bayern. Zwischen Kempten und Lindau sperrte die Bahn die Strecke komplett. Auf der Hauptstrecke zwischen München und Kempten kommt es nach Angaben der Bahn im Fern- und Nahverkehr zu erheblichen Verspätungen. Von Reisen ins Allgäu werde abgeraten.

In Sachsen kommt es durch tagelangen Schneefall und nun einsetzendes Tauwetter ebenfalls zu Straßensperrungen. Im Erzgebirge sind zahlreiche Wälder gesperrt.