Der Angriff auf Menschen mit Migrationshintergrund an Silvester war größer als bislang angenommen. Dem nordrhein-westfälischen Innenministerium zufolge soll der Angreifer auch in Oberhausen gezielt mit seinem Auto auf Menschen zugefahren sein. Der mutmaßliche Täter habe sein Auto insgesamt an 13 verschiedenen Orten in Bottrop, Essen und auch Oberhausen in Ansammlungen von mehreren Menschen beziehungsweise auf eine Einzelperson gelenkt, heißt es in einem Bericht, über den der Landtag in Düsseldorf debattierte.

Zuvor hatte der WDR unter Berufung auf den Anwalt des mutmaßlichen Täters berichtet, es hätten sich zahlreiche weitere Geschädigte auch aus Oberhausen bei den Ermittlern gemeldet. Schwer verletzt wurde dort demnach aber niemand.

Bei den Angriffen in der Silvesternacht in Bottrop und Essen wurden vor allem Menschen aus Syrien und Afghanistan verletzt. Unter ihnen sind mehrere Kinder. Alle haben ausländische Wurzeln. Eine Syrerin schwebte vorübergehend in Lebensgefahr.

Die Staatsanwaltschaft Essen hatte am Dienstagabend mitgeteilt, dass sich der Beschuldigte inzwischen in einem psychiatrischen Krankenhaus befindet. Nach derzeitigem Ermittlungsstand sei davon auszugehen, dass er zu den Tatzeiten mindestens erheblich vermindert schuldfähig war.

Bislang keine Kenntnis über rechtsextreme Kontakte

Auch eine vollständig aufgehobene Schuldfähigkeit könne derzeit nicht sicher ausgeschlossen werden, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Auf Antrag der Behörde wandelte das Amtsgericht Essen den Haftbefehl gegen den Mann in einen vorläufigen Unterbringungsbefehl um.

Erste Aussagen des Mannes hatten auf Rassismus als Tatmotiv hingewiesen. Nordrhein-Westfalens Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) sagte nach den ersten Vernehmungen: "Es gab die klare Absicht von diesem Mann, Ausländer zu töten." Staatsanwaltschaft und Polizei sprachen von einem "gezielten Anschlag". Bisher gibt es laut den Behörden keine Hinweise darauf, dass der Mann Kontakte in die rechtsextreme Szene unterhielt.