Das Bundeskriminalamt (BKA) hat angekündigt, Clankriminalität genauer ins Visier zu nehmen. Dem nächsten Bundeslagebericht werde die Behörde ein Kapitel mit dem Titel "Kriminelle Mitglieder von Großfamilien ethnisch abgeschotteter Subkulturen" hinzufügen, teilte eine Sprecherin mit. Das RedaktionsNetzwerk Deutschland hatte zuerst über die Pläne berichtet. In dem für den Sommer erwarteten Bundeslagebericht informiert das BKA jährlich über die aktuelle Kriminalitätslage in der Bundesrepublik.

Nach Einschätzung des BKA geht von kriminellen Clans mit ausländischen Wurzeln eine Bedrohung aus. "Die Kriminalität von Angehörigen türkisch- und arabischstämmiger Großfamilien zeichnet sich durch eine grundsätzlich ethnisch abgeschottete Familienstruktur aus, die unter Missachtung der vorherrschenden staatlichen Strukturen, deren Werteverständnis und Rechtsordnung eine eigene, streng hierarchische, delinquente Subkultur bildet", sagte die Sprecherin. In den bisherigen Lagebildern habe man das Thema nur gestreift.

Vor allem in Berlin, Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wird laut BKA derzeit intensiv ermittelt. So beschlagnahmte etwa im August die Polizei allein in Berlin von einem arabischstämmigen Clan 77 Immobilien im Wert von mehr als neun Millionen Euro. Der Vorwurf: Geldwäsche. Die Ermittlungen richteten sich gegen insgesamt 16 Mitglieder der Familie.

"Im Kampf gegen Clankriminalität viel zu spät aufgewacht"

BKA-Präsident Holger Münch kündigte damals an, im Hinblick auf die Zuwanderung die mögliche Bildung neuer krimineller Clans stoppen zu wollen. Hier seien in der Vergangenheit Fehler gemacht worden. Aufgrund organisierter Kriminalität entstand laut BKA 2017 in Deutschland ein Schaden von rund 209 Millionen Euro.

Für das Lagebild zur organisierten Kriminalität arbeiteten die Polizeien der Länder und das BKA an Kriterien zur Zuordnung von Clanmitgliedern, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. "Damit soll der Bereich der Clankriminalität weiter aufgeklärt werden."

Der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Konstantin Kuhle, kritisierte, die Bundesregierung sei "im Kampf gegen Clankriminalität viel zu spät aufgewacht". Ein eigenes Kapitel im nächsten BKA-Lagebild sei zwar ein Anfang, aber noch lange nicht ausreichend. "Die Ermittlungsbehörden müssen im Bereich der organisierten Kriminalität dringend mehr Ressourcen erhalten und die Sicherheitsarchitektur entsprechend reformiert werden." Insbesondere sei eine bessere Koordination über die Landesgrenzen hinaus nötig.