Bottrop - Autofahrer hatte die »klare Absicht, Ausländer zu töten« NRW-Innenminister Reul, Bottrops Oberbürgermeister Tischler und die zuständige Polizei äußerten sich am 1. Januar zu der Amokfahrt in der Silvesternacht. © Foto: Marcel Kusch/dpa

Ein Autofahrer hat in der Silvesternacht in Bottrop seinen Wagen in eine Fußgängergruppe gesteuert und dabei mindestens vier Menschen zum Teil schwer verletzt. "Die Ermittlungsbehörden gehen derzeit von einem gezielten Anschlag aus, der möglicherweise in der fremdenfeindlichen Einstellung des Fahrers begründet ist", teilten die Polizeipräsidien in Recklinghausen und Münster sowie die Staatsanwaltschaft in Essen mit. Die Ermittler haben "erste Informationen über eine psychische Erkrankung des Fahrers".

Wie die Westdeutsche Allgemeine Zeitung berichtete, war eine junge Frau in Lebensgefahr. Drei weitere Menschen seien leicht verletzt worden. Der Täter wurde schließlich in seiner Heimatstadt Essen festgenommen. Dort hatte er einen zweiten Versuch unternommen, Passanten anzufahren. Bei seiner Festnahme äußerte der Mann sich den Angaben zufolge "fremdenfeindlich".

Der 50-jährige Essener ist deutscher Staatsbürger. Er sei bislang nicht polizeilich in Erscheinung getreten, sagte Friederike Zurhausen, die Polizeipräsidentin von Recklinghausen. Es sei unklar, ob er noch in psychologischer Behandlung sei. Erste Einlassungen des Täters ließen fremdenfeindliche Hintergründe vermuten. Zu einem politischen Hintergrund lägen bisher keine Erkenntnisse vor. Die Wohnung des Mannes sollte durchsucht werden.

"Bewusst in Menschengruppen gefahren"

Der Fahrer hatte die "klare Absicht, Ausländer zu töten", sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) am Nachmittag in Bottrop. Er sei bewusst in Menschengruppen gefahren, die größtenteils aus Ausländern bestanden hätten, sagte Reul. Das sei durch die Vernehmungen klar geworden. Der Mann habe sogar noch ein viertes Mal versucht, in eine Personengruppe zu fahren, sagte Reul. Dabei sei eine weitere Person verletzt worden. Es mache "sehr betroffen, dass so etwas passiert ist", sagte der Innenminister. In Nordrhein-Westfalen gebe es keinerlei Toleranz für Gewalttäter, "egal, von welcher Ecke sie kommen".

Der mutmaßliche Täter war wenige Minuten nach Mitternacht in Bottrop absichtlich auf einen Fußgänger zu gefahren. Dieser konnte sich jedoch vor einem Zusammenprall retten. Danach fuhr der Mann weiter Richtung Innenstadt von Bottrop und dort in eine Menschengruppe hinein, die den Jahreswechsel ausgelassen feierte. Unter den Betroffenen sind demnach syrische und afghanische Staatsangehörige.

In Essen veruschte der Mann in eine Gruppe Menschen an einer Bushaltestelle zu fahren. "Vielleicht sind Leute weggerannt, vielleicht hat das aus anderen Gründen nicht funktioniert. All das zu klären, ist jetzt unsere Aufgabe", sagte eine Polizeisprecherin.

Engagement gegen Rechtsextremismus

Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler sagte ein Konzert ab, das die Feiern zum 100. Stadtgeburtstag eröffnen sollte: "Heute ist uns nicht zum Feiern zumute."

"Die schreckliche und wohl rassistisch motivierte Tat muss entschieden aufgeklärt werden", sagte die innenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Sie forderte die Ermittler zudem auf, zu prüfen, "ob der Täter sich in irgendeiner Weise in rechtsextremen Kreisen bewegte und seine Tat damit in Verbindung stand" und "ob er tatsächlich allein handelte, oder ob es gegebenenfalls weitere Beteiligte oder Mitwisser gab." 

Armin Laschet (CDU), der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, äußerte sich auf Twitter zum Anschlag in Bottrop und versprach weiteres Engagement gegen Rechtsextremismus.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte der Bild, der Angriff in Bottrop habe ihn "sehr betroffen" gemacht.