Der Bruch eines Staudamms im brasilianischen Brumadinho könnte womöglich auf Behördenversagen zurückzuführen sein. Hierauf weist ein Bericht des ARD-Studios Südamerika hin, der sich auf bisher nicht veröffentlichte Dokumente stützt. Demnach genehmigte das Umweltsekretariat des Bundesstaats Minais Gerais dem Bergbaukonzern Vale die Ausweitung der Minenarbeiten in Brumadinho, sowie Tätigkeiten am längst stillgelegten Staudamm.

In den Dokumenten wird das Sicherheitsrisiko des gebrochenen Staudamms mit Vier bezeichnet: mittleres Risiko. Frühere Genehmigungen sprachen aber noch von Risikostufe Sechs, die ein deutlich höheres Risiko darstellt. Brasilianische Medien sprachen von einer ungewöhnlichen Expressgenehmigung, um die Minenproduktion um bis zu 70 Prozent steigern zu können.

Im Zusammenhang mit der Katastrophe hatte es am Dienstag fünf Festnahmen gegeben: Drei Mitarbeiter der Betreiberfirma Vale und zwei Angestellte des Münchner Unternehmens Tüv Süd, das nach eigenen Angaben den Unglücksdamm im September geprüft hatte. Damals seien laut dem Unternehmen keine Auffälligkeiten oder Schäden festgestellt worden.

Dieses Satellitenfoto vom 23. September 2018 zeigt die Gegend vor dem Dammbruch. © 2019 DigitalGlobe, a Mazar Company/Handout/Reuters

Kritik an zu schwachen Umweltauflagen

Die Richterin Perla Saliba Brito schrieb in ihrer Begründung für den Haftbefehl, dass das Unglück hätte verhindert werden können. Es sei ihr zufolge nicht glaubhaft, dass "Dämme von solcher Größe, betrieben von einem der größten Bergbauunternehmen der Welt, plötzlich ohne jedes Anzeichen von Anfälligkeit brechen".

Umweltkonzerne kritisieren schon lange, dass Behörden Minenkonzerne nicht streng genug kontrollierten. Grund dafür sei, dass Umweltkontrollbehörden von der Regierung nicht genug Ressourcen bekommen würden, die Einhaltung der Gesetze zu kontrollieren. In der Kritik steht auch Brasiliens neuer Präsident Jair Bolsonaro, der im Wahlkampf vorgeschlagen hatte, Minenkonzerne könnten sich zukünftig selbst Lizenzen erteilen.

Am vergangenen Freitag tötete eine Schlammlawine nach dem Bruch des Dammes eines Rückhaltebeckens nach Angaben der lokalen Zivilschutzbehörde fast 100 Menschen. 259 Menschen werden immer noch vermisst. Die riesige Lawine aus rotbraunem Schlamm rollte kilometerweit und zerstörte Teile der Anlage und benachbarte Siedlungen. Die Schlammmassen trafen unter anderem die Cafeteria der Mine, wo sich zur Mittagszeit zahlreiche Angestellte des Bergwerks befanden.