Womöglich bis zu 300 Arbeiter und Anwohner werden vermisst, nachdem der Staudamm eines Abraumbeckens im Süden Brasiliens gebrochen ist. Eine Schlammlawine traf ein Wohngebiet und Teile der Eisenerzmine Feijão nahe der Großstadt Belo Horizonte im Teilstaat Minas Gerais. Einsatzkräfte hätten bereits neun Leichen geborgen und noch viele weitere im Schlamm entdeckt, sagte der Bürgermeister von Brumadinho, Avimar Melo, am Freitag der Zeitung O Globo.

"Dieses Mal ist es eine menschliche Tragödie, denn wir reden über womöglich sehr viele Opfer", sagte Fabio Schvartsman, Präsident des Bergbaukonzerns Vale, dem die Mine gehört. Im Bergwerk einer Tochterfirma war es 2015 zu einem ähnlichen Unglück gekommen, damals starben 19 Menschen. Schvartsman war mit dem Versprechen angetreten, dass sich die "Tragödie von Mariana" nicht wiederholen werde. Nun musste er bekannt geben, dass etwa 300 Angestellte des Unternehmens vor Ort gewesen seien. Bis zum Abend meldete sich etwa die Hälfte davon, mehr als 150 wurden noch vermisst.

Er wisse noch nicht, wie es zu dem Zusammenbruch kam, sagte Vale-Präsident Fábio Schvartsman bei einer Pressekonferenz. Die meisten Toten dürften Arbeiter von Vale sein, die von der Schlammwelle beim Mittagessen überrascht wurden.

"Die Schäden für die Umwelt sind dieses Mal wohl geringer, denn das Becken war nicht mehr aktiv, das Material war schon recht trocken, und deshalb hat der Schlamm nicht die Kraft, über lange Strecken zu fließen", sagte Schvartsman. Bei dem Unglück 2015 sei eine wesentlich größere Menge an Schlamm freigesetzt worden. Expertinnen sprechen von der 20- bis 50-fachen Menge des Schlamms, der damals über 650 Kilometer Flüsse und Landschaften zerstörte. "So dürfte der Umweltschaden nun wesentlich geringer sein, die menschliche Tragödie ist jedoch fürchterlich."

Die Behörden rechneten am Freitagabend zusätzlich mit etwa 100 Opfern unter den Anwohnern, sagte der Sprecher der lokalen Feuerwehr, Pedro Aihara. Bis zum Einbruch der Dunkelheit hatten mehrere Hubschrauber der Rettungskräfte die Kilometer lange Schlammschneise überflogen und nach Überlebenden gesucht.

Die braune Schlammflut erreichte auch ein naheliegendes Wohngebiet und und begrub teilweise Häuser unter sich. Der Fernsehsender TV Record zeigte live, wie sich ein Hubschrauber wenige Zentimeter über dem Boden bewegte, während Menschen aus dem Schlamm gezogen wurden. Der Schlamm schnitt auch Straßen ab. Wie groß das überflutete Gebiet ist, war zunächst nicht klar.

Präsident Jair Messias Bolsonaro beorderte Einsatzkräfte des Militärs in die Region. Er selbst werde am frühen Samstag die betroffene Region besuchen, sagte er in einer Rede. Auch die Minister für Umwelt, Zivilschutz, Entwicklung und Bergbau seien unterwegs.