Rettungsschiff - »Es kann nicht sein, dass wir auf See stranden« Die Situation an Bord des Rettungsschiffs »Sea-Watch 3« verschlechtert sich laut der NGO zunehmend. Kein europäisches Land erlaubt dem Schiff, einen Hafen anzusteuern. © Foto: Alexander Draheim/sea-eye.org

Die Bundesregierung hat sich offen gezeigt, 50 der 249 Bootsflüchtlinge auf Malta aufzunehmen. "Wir sind absolut bereit, 50 Menschen aufzunehmen in der Bundesrepublik Deutschland", sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer. Voraussetzung sei aber, dass andere EU-Länder ebenfalls Flüchtlinge aufnehmen. Die EU-Kommission solle den Prozess steuern. Dies sei auch von den Spitzenvertretern der schwarz-roten Koalition bei einem Treffen am Montagabend bekräftigt worden. "Ich finde, das ist eine saubere Abwägung zwischen Steuerung der Zuwanderung und Humanität."

Laut Seehofer hat Deutschland seit Monaten zur Voraussetzung gemacht, dass eine "beachtliche" Zahl von EU-Ländern im Sinne einer gemeinsamen Solidarität mitmacht. Dies scheine inzwischen der Fall zu sein. Nun müsse die EU-Kommission in Brüssel entscheiden. Er habe die Verantwortlichen dort gebeten, die Frage mit mehr Tempo zu behandeln.

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Die Rettungsorganisationen Sea-Watch und Sea-Eye hatten Ende Dezember in internationalen Gewässern vor Libyen 49 Migrantinnen und Migranten aufgenommen. Seither warten sie auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. Eine Überstellung nach Libyen lehnen beide ab, da Tripolis kein sicherer Hafen sei. Derzeit befinden sich die Schiffe in maltesischen Gewässern, dürfen aber nicht auf Malta anlegen. Die maltesische Regierung fordert als Gegenleistung für ein Anlegen eine Verteilung der 249 Flüchtlinge, die bereits auf der Insel sind.

Die Organisationen beklagen sich über eine zunehmend prekäre Lage an Bord ihrer Schiffe. Unter anderem würden die Nahrungs- und Trinkwasservorräte knapp. "Wir haben keine Vitamine mehr, aber genügend Kohlehydrate, zum Beispiel Kartoffeln, Reis oder Couscous", sagte Sea-Eye-Einsatzleiter Jan Ribbeck in einem Interview mit ZEIT ONLINE. Außerdem litten die Migrantinnen und Migranten unter psychischen Belastungen. "Manche reden nicht mehr und starren auf das Wasser, andere bekommen Weinkrämpfe, sobald wir sie ansprechen", sagte Ribbeck. Papst Franziskus hatte sich eingeschaltet und Europa zur Hilfe aufgefordert.