Das Landgericht Siegen hat den ehemaligen Leiter eines Flüchtlingsheims im nordrhein-westfälischen Burbach zu einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Die Richter sprachen den Angeklagten der Freiheitsberaubung in 33 Fällen schuldig, teilte eine Sprecherin des Gerichts mit. Als Bewährungsauflage muss der frühere Heimleiter 12.000 Euro an die UN-Flüchtlingshilfe zahlen. Zu seinen Gunsten wertete das Gericht vor allem sein umfassendes Geständnis.

Unter der Führung des Angeklagten waren in der Einrichtung in Burbach zwischen 2013 und 2014 wiederholt Flüchtlinge in ein sogenanntes Problemzimmer gesperrt worden. In diesen Räumen wurden der Anklage zufolge Flüchtlinge teils für mehrere Tage rechtswidrig eingesperrt, weil sie angeblich gegen die Hausordnung verstoßen hatten. Dort soll es teils zu weiteren Straftaten gekommen sein.

Bereits im Dezember hatte das Landgericht Siegen in einem abgetrennten Verfahren einen Angeklagten zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei weitere Beschuldigte zu Geldstrafen verurteilt. Dagegen dauert das im November begonnene Hauptverfahren um den Fall Burbach mit zahlreichen Angeklagten weiter an.

Die Misshandlungen in der Flüchtlingsunterkunft waren im September 2014 durch Handyfotos und ein Video bekannt geworden, die bundesweit Entsetzen auslösten: Das Video zeigte Wachleute, die einen Flüchtling offenbar dazu gezwungen haben, sich auf eine mit seinem Erbrochenem verschmutzte Matratze zu legen. Auf den Handyfotos posiert ein Wachmann mit dem Fuß im Nacken eines auf dem Boden fixierten Heimbewohners.