Der Prozess um das Unglück bei der Loveparade 2010 endet möglicherweise ohne ein Urteil. Das Landgericht Duisburg hat vorgeschlagen, das Verfahren gegen die zehn Angeklagten einzustellen. Ihnen allen werden fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Auf dem einzigen Zugang zum Loveparade-Gelände waren bei einer Massenpanik 21 Menschen erdrückt und 652 im Gedränge verletzt worden. Die meisten Todesopfer waren zwischen 18 und 25 Jahre alt.

Vertreter des Landgerichts machten den Vorschlag bei einem nicht öffentlichen Gespräch, an dem Staatsanwaltschaft, Verteidiger und die Vertreter der Nebenkläger beteiligt waren. Teilnehmende berichteten, dass vor allem eines strittig ist: Die Staatsanwaltschaft erwartet bei einer Einstellung des Verfahrens Geldstrafen für die Angeklagten, deren Verteidiger lehnen das ab.

Anwalt Julius Reiter, der rund 80 Betroffene der Katastrophe vertritt, knüpfte eine mögliche Verfahrenseinstellung an Bedingungen: Für die Opfer müsse in diesem Fall eine Grundlage geschaffen werden, Schmerzensgeld von der Stadt Duisburg und vom Land Nordrhein-Westfalen einzuklagen.

Ein kollektives Versagen einer Vielzahl von Menschen

Der Vorsitzende Richter Mario Plein sagte nach Angaben des Gerichtssprechers im Verhandlungssaal, der Prozess habe erheblich zur Aufklärung der Geschehnisse bei der Loveparade beigetragen. Nach den im Verfahren erlangten Erkenntnissen sei es richtig gewesen, die zehn Beschuldigten anzuklagen. Es bestehe auch immer noch eine hinreichende Wahrscheinlichkeit dafür, dass sie für das Unglück mitverantwortlich seien.

Allerdings sei eine etwaige individuelle Schuld eines jeden Angeklagten als gering bis allenfalls mittelschwer anzusehen. So könne davon ausgegangen werden, dass im Jahr 2010 keine klaren gesetzlichen und organisatorischen Vorgaben für die Planung einer derartigen Großveranstaltung vorgelegen hätten.

In dieser unsicheren Rechtslage hätten die Angeklagten sich intensiv darum bemüht, die Veranstaltung aus ihrer Sicht sicher zu gestalten. Neben den Planungsfehlern sei ein kollektives Versagen einer Vielzahl von Menschen am Veranstaltungstag für das Unglück mitverantwortlich.

Der Prozess um das Unglück bei der Loveparade läuft bereits seit einem Jahr, bisher gab es 96 Verhandlungstage. Angeklagt sind sechs Menschen aus der Duisburger Stadtverwaltung und vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent. Deren Plan, wie die Besucherinnen und Besucher auf das Loveparade-Gelände kommen und es wieder verlassen, soll ungeeignet gewesen sein. Die Stadt soll die Veranstaltung rechtswidrig genehmigt haben.