Die französische Polizei hat am Mittwochabend einen Wortführer der Gelbwesten festgenommen. Dem Lastwagenfahrer Eric Drouet wird die Organisation einer nicht angemeldeten Demonstration vorgeworfen. Wie die französische Zeitung Le Monde berichtet, droht ihm eine Haftstrafe bis zu sechs Monaten oder eine Geldbuße in Höhe von 7.500 Euro.

Der 33-Jährige hatte mit Facebook-Posts im November 2018 Zehntausende Follower gewonnen und wiederholt zu Protesten gegen die französische Regierung aufgerufen. Außerdem gelangte er durch Fernsehauftritte zu Bekanntheit. Für Mittwochabend hatte Drouet per Video auf seiner Facebook-Seite erneut zu einer Demonstration aufgerufen, in der Nähe des Triumphbogens auf den Pariser Champs-Élysées. Einige Dutzend Demonstranten hatten bereits auf ihn gewartet. Auf dem Weg dorthin wurde Drouet festgenommen. Filmaufnahmen zeigen, wie mehrere Spezialkräfte ihn in einen Polizeiwagen zwingen. 

Opposition kritisiert Festnahme

In Frankreich sorgte die Festnahme für Empörung. Die Festnahme sei "völlig ungerechtfertigt und willkürlich", sagte Drouets Anwalt Kheops Lara. Sein Vergehen bestand darin, "Kerzen im Gedenken an die verstorbenen Gelbwesten-Opfer am Place de la Concorde in Paris" aufgestellt zu haben. Lara forderte Drouets sofortige Freilassung.

Der linke Oppositionspolitiker Jean-Luc Mélenchon sprach von einem "Machtmissbrauch". Eine "politische Polizei" gehe nun gegen die Anhänger der "Gelbwesten" vor. Marine Le Pen von der rechtsextremen Partei Rassemblement National, die bis Juni 2018 Front National hieß, kritisierte eine "systematische Verletzung der politischen Rechte" von Oppositionellen.

Die Regierung verteidigte hingegen das Vorgehen gegen Drouet. Wirtschaftsminister Bruno Le Maire sagte im Sender France Inter, Drouet habe durch die Organisation einer nicht angemeldeten Demo "nicht den Rechtsstaat respektiert".

Freilassung am Donnerstag

Am Donnerstagnachmittag wurde Drouet wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen. "Alles, was hier passiert, ist politisch", sagte er vor Journalisten. Er habe am Mittwochabend eigentlich nur mit anderen Gelbwesten ins Restaurant gewollt. Drouet muss sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Februar wegen des Vorwurfs nichtangemeldeter Demonstration vor Gericht verantworten. 

Bereits am 22. Dezember 2018 war Drouet festgenommen worden, damals wegen "Tragens einer verbotenen Waffe". Er hatte einen Stock bei sich. Der Prozess dazu soll am 5. Juni 2019 stattfinden. Zudem musste er zu einer Polizeianhörung, nachdem er im Fernsehen dazu aufgerufen hatte, den Protest in den Präsidentenpalast zu tragen. Wörtlich sagte er: "Si on arrive devant l'Elysée, on rentre dedans" (dt. (Wenn wir vor dem Elyséepalast ankommen, gehen wir hinein").

Die Gelbwesten-Bewegung ist dezentral organisiert und hat keine klare Führung. Landesweit kam es im November und Dezember zu zahlreichen regierungskritischen, teilweise gewaltsamen Demonstrationen. Kurz vor Weihnachten haben die Proteste nachgelassen. Ein Kommentator des Senders BFM sagte, mit der Festnahme von Drouet riskiere die Regierung, aus ihm einen Märtyrer zu machen.