Bei gewaltsamen Protesten gegen den heimlichen Zutritt von zwei Frauen in einen heiligen Hindu-Tempel im Süden Indiens ist ein Mensch gestorben, 15 weitere wurden verletzt. Bei einer Protestkundgebung der hinduistisch-nationalistischen Bharatiya-Janata-Partei (BJP) von Regierungschef Narendra Modi sei am Mittwoch ein Mensch von Steinewerfern getötet worden, teilte ein Sprecher der Polizei im Bundesstaat Kerala mit. Insgesamt 266 Demonstranten wurden laut Behörden festgenommen.

Die Demonstrationen waren ausgelöst worden, nachdem sich am Mittwoch erstmals zwei Frauen Zutritt zum Sabarimala-Tempel in Kerala verschafft hatten. Daraufhin war es in mehreren Städten zu Protesten von Hindu-Fundamentalisten gekommen. Vor dem Parlament in Keralas Hauptstadt Thiruvananthapuram lieferten sich gegnerische Gruppierungen gewalttätige Auseinandersetzungen. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Blendgranaten gegen die Demonstranten ein.

In der Stadt Pandalam wurde ein Demonstrant bei einem von der BJP organisierten Protest von Steinen getroffen. "Seine Verletzungen waren ernst, er starb am späten Mittwochabend", sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP. Bei anderen Vorfällen in Kerala wurden demnach 15 Menschen verletzt.

Angriffe auf Busse und Parteizentralen der Kommunistischen Partei

Der Sabarimala-Tempel ist einer der heiligsten Tempel der Hindus. Das Oberste Gericht des Landes hatte im September nach einem jahrelangen Rechtsstreit das Zutrittsverbot für Frauen zwischen zehn und 50 Jahren zu dem Tempel aufgehoben.

Auch am Donnerstag demonstrierten die konservativen Hindus, die die Aufhebung des Verbots nicht akzeptieren. In Thiruvananthapuram kam es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten, die das öffentliche Leben zum Erliegen bringen wollten. Sie drängten auf Geheiß der Tempel-Führung Ladenbesitzer, ihre Geschäfte tagsüber geschlossen zu halten. Im gesamten Bundesstaat blieben die meisten Geschäfte zu, auch der Busverkehr war unterbrochen. Berichten zufolge zerstörten steinewerfende Demonstranten die Fenster von 99 Bussen und sorgten für einen Schaden von etwa 33,5 Millionen Rupien (421.000 Euro). 20 Büros der in Kerala regierenden Kommunistischen Partei Indiens wurden nach Parteiangaben angegriffen.

Im Küstenort Kozhikode setzte die Polizei Tränengas gegen Demonstranten ein. In der Stadt Palakkad wurden Journalisten bei einem Protestmarsch von Modis BJP und der Hindu-Hardliner-Gruppierung Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) angegriffen.

Der Regierungschef von Kerala, Pinarayi Vijayan, warf der BJP und der RSS vor, den Sabarimala-Tempel in eine "Kampfzone" verwandeln zu wollen. Frauen, die das Zutrittsrecht zu dem Tempel forderten, würden angegriffen, sagte Vijayan. Auch gegen Journalisten und die Polizei richte sich der Zorn der Demonstranten.

Frauenaktivistinnen haben seit der Aufhebung des Verbots, den Sabarimal-Tempel zu betreten, immer wieder vergeblich versucht, zu dem auf einem Berg gelegenen Schrein für den Gott Ayyappa zu gelangen. Sie waren jedoch stets von Hindu-Traditionalisten, darunter auch Frauen, abgehalten worden. Dabei war es bereits im Oktober zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei gekommen, mehr als 2.000 Menschen waren festgenommen worden.