Wie läuft die Integration der Flüchtlinge, die in den vergangenen Jahren neu in Deutschland angekommen sind? Ein Forscherteam aus dem Bamf, dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung hat Ergebnisse einer großen Studie zu dieser Frage vorgelegt (hier als PDF). Für die Untersuchung sind mehr als 7.000 Geflüchtete zum Teil mehrfach befragt worden. Das Resultat: Angesichts der Gefahren und Schwierigkeiten, denen die Menschen ausgesetzt waren, die seit 2013 nach Deutschland flüchteten, entwickelt sich ihre Integration hierzulande positiv.

So konstatieren die Autoren der Studie, dass sich die Deutschkenntnisse der Flüchtlinge insgesamt verbessern – vor allem dann, wenn die Befragten bereits Sprach- oder Integrationskurse abgeschlossen hatten. Überhaupt seien solche Kurse ein wichtiges Mittel, um den Geflüchteten dabei zu helfen, hier Fuß zu fassen.

Allerdings fielen den Forschern bemerkenswerte Unterschiede zwischen Männern und Frauen auf: 44 Prozent der geflüchteten Männer können demnach inzwischen sehr gut oder gut Deutsch, nur 26 Prozent der Frauen haben dieses Sprachniveau erreicht.

35 Prozent haben bereits eine Arbeit gefunden

Es sind vor allem die geflüchteten Mütter mit kleinen Kindern, die noch wenig Deutsch gelernt haben. Weil die Teilnahme an Deutschkursen der wichtigste Faktor sei, sehen die Wissenschaftler hier das entscheidende Hindernis: Mütter mit kleinen Kindern absolvieren deutlich weniger Sprachkurse, womöglich weil sie keine Kinderbetreuung haben oder diese nicht in Anspruch nehmen wollen.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf müsse auch für Geflüchtete ermöglicht werden, sagt Hannes Kröger vom SOEP, einer der beteiligten Wissenschaftler. Die Studie zeige, "dass insbesondere Frauen und Geflüchtete, die Kinder und Kleinkinder zu Hause haben, schlechter Deutsch sprechen und es schwieriger haben, sich zu integrieren".

Das wirkt sich auch auf ihre Chancen auf dem Jobmarkt aus. Denn Integrations- und Deutschkurse haben auch darauf erheblichen Einfluss. Insgesamt steigt der Anteil unter den Geflüchteten, die eine Arbeit haben, kontinuierlich. Von den seit 2013 neu Angekommenen waren im zweiten Halbjahr 2017 bereits 21 Prozent erwerbstätig. Die Forscher schätzen auf Basis von Daten der Bundesagentur für Arbeit, dass es bis Herbst 2018 sogar bereits 35 Prozent waren. 2016 hatte der Anteil noch bei nur neun Prozent gelegen.

Diese positive Entwicklung betrifft allerdings vor allem die Männer, die Schutz in Deutschland gesucht haben. Von den geflüchteten Frauen waren im zweiten Halbjahr 2017 nur sechs Prozent erwerbstätig.

Gesundheitsrisiken durch Kriegs- und Gewalterfahrungen

Doch nicht nur die Kurse haben einen Einfluss darauf, ob die Geflüchteten eine Arbeit finden und was für eine Arbeit das ist. Auch ihr Schutzstatus scheint dabei eine Rolle zu spielen. Anerkannte Asylbewerber und Asylbewerberinnen verdienen durchschnittlich mehr Geld als jene, deren Asylverfahren noch laufen oder deren Asylgesuche abgelehnt wurden. Dabei arbeiten in beiden Gruppen etwa gleich viele und sie integrieren sich auch ungefähr gleich schnell in den Arbeitsmarkt – jene ohne Asylstatus nehmen jedoch schlechter bezahlte Jobs an.

In der Regel verdienen sie alle dabei sehr viel weniger Geld, als hierzulande sonst üblich. Der mittlere Bruttoverdienst bei Vollzeitjobs sei nur etwa halb so hoch wie der Verdienst aller Beschäftigten hierzulande: 1.600 Euro Monatslohn bekamen in Vollzeit beschäftigte Geflüchtete im Jahr 2017 durchschnittlich. Doch auch dieser Wert wird nur von wenigen erreicht. Ein erheblicher Teil der Geflüchteten mache Praktika oder habe Teilzeitjobs, daher betrage das durchschnittliche Monatseinkommen aller befragten Menschen, die hier eine Arbeit gefunden haben, lediglich 1.000 Euro.

Das größte Risiko für die Integration sehen die Autoren nicht im Spracherwerb oder im Arbeitsmarkt. Insgesamt 87 Prozent seien laut eigenen Angaben vor Krieg und Verfolgung geflohen, viele hätten in ihren Herkunftsländern oder auf der Flucht Gewalt, sexuellen Missbrauch und willkürliche Gefängnisaufenthalte erlebt. Körperlich seien die Geflüchteten so gesund wie die Gesamtbevölkerung. Diese Traumatisierungen aber führten zu einem höheren Risiko für psychische Erkrankungen und generell einem geringeren psychischen Wohlbefinden. So liege das Risiko, eine Posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln, teilweise um 50 Prozent höher als in der Gesamtbevölkerung. Auch Depressionen könnten die Folge sein. Erneut trifft es hier wieder die Frauen stärker als die Männer.

Die Autoren der Studie empfehlen daher, Geflüchteten sollten niedrigschwellige Angebote gemacht werden, um Hilfe bei psychischen Problemen zu bekommen. Auch systematische Screenings seien wichtig, um Probleme frühzeitig zu bemerken. Die "umfassende gesundheitliche Versorgung" sei eine "zentrale Herausforderung für die Zukunft".