Der Islam-Dachverband Ditib will wegen der andauernden Kritik einen Neustart angehen. Dabei sollen ihre Arbeit und Struktur aber nicht abrupt geändert werden. Der Verband sei zur Zielscheibe geworden, es habe viele "unberechtigte Angriffe" gegeben, aber auch eigene Versäumnisse, sagte der neue Vorsitzende Kazım Türkmen. "Es ist dringend eine Deeskalation und eine Rückbesinnung auf Sachthemen nötig."

Es brauche Zeit, die Türkisch-Islamische Union als größte Islam-Organisation in Deutschland zu verändern. Und Basis solcher Prozesse sollten "innere Dynamiken" sein, nicht "Forderungen von außen", stellte Türkmen klar.

Religionswissenschaftler Volker Beck von der Uni Bochum kritisierte: "Die Ditib versucht ihre Fassade neu zu streichen, hat aber noch nicht mal Farbe mitgebracht."

Ditib verpasste Chance auf Versöhnung

Stark kritisiert wurde die Ditib vor allem im vergangenen September, als Recep Tayyip Erdoğan zu Besuch in Deutschland war. Der türkische Präsident besuchte auch Köln, um die Ditib-Zentralmoschee im Stadtteil Ehrenfeld offiziell zu eröffnen. Im Publikum waren viele Deutschtürken und Besucher aus der Türkei. Wichtige Vertreterinnen und Vertreter der Stadt blieben der Veranstaltung aber fern oder sagten ab. Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) etwa kam nicht, weil man ihr und anderen Vertretern der Stadt nicht gestattet habe, eine Rede zu halten. Sie fühlte sich offenbar respektlos von der Ditib behandelt.

Politiker in Bund und Ländern fordern seit 2016 eine Loslösung von der türkischen Regierung und der Religionsbehörde Diyanet in Ankara. Angesprochen auf die Affäre um Imame, die für Ankara gespitzelt haben sollen, betonte Türkmen, man habe dazu schon alle nötigen Informationen gegeben. Es sei damals keine Anklage erhoben worden. "Das Thema ist für die Ditib abgeschlossen." Neustart bedeute, sich nun zu konzentrieren auf das Ziel einer Anerkennung als Religionsgemeinschaft und auf islamischen Religionsunterricht.