In Deutschland ist der Anteil der Menschen, die einen zunehmenden Antisemitismus beobachten, fast doppelt so hoch wie im EU-Durchschnitt. Das geht aus einer Eurobarometer-Umfrage hervor, die die EU-Kommission veröffentlicht hat. 61 Prozent der Deutschen sagen demnach, dass die Judenfeindlichkeit zunimmt, im EU-Durchschnitt sind es 36 Prozent. Die Leugnung des Holocausts sehen 71 Prozent der Deutschen als ein Problem.

Zudem legt die Studie nahe, dass Europäerinnen und Europäer mit jüdischen Freunden und diejenigen, die selbst einer Minderheit angehören, mehr Bewusstsein für das Thema Judenfeindlichkeit haben als andere. 64 Prozent der Befragten in der EU mit jüdischen Freunden sagten, dass Antisemitismus ein Problem ist, insgesamt waren es 50 Prozent.

Nur drei Prozent der EU-Bürger und -Bürgerinnen gaben an, "sehr gut" über jüdische Geschichte und Bräuche informiert zu sein. 68 Prozent sagten, sie hätten kein Wissen darüber. Vier von zehn Europäern sind der Meinung, dass der Holocaust ausreichend in der Schule behandelt wird.

Vorgestellt hatte die Studie, für die mehr als 27.000 Menschen befragt wurden, EU-Justizkommissarin Vera Jourová bei einer Schoah-Gedenkveranstaltung im Jüdischen Museum in Brüssel. Jourová sagte in ihrer Rede, dass das Bewusstsein für Antisemitismus in jenen Ländern größer sei, in denen große jüdische Gemeinden leben – unter ihnen auch Deutschland. Dort hätten viele Menschen jüdische Freunde und Medien hätten über Anschläge auf die jüdische Gemeinschaft berichtet.

Während der Veranstaltung kündigte die EU-Justizkommissarin an, eine Arbeitsgruppe zu schaffen, die die Antisemitismus-Erklärung der EU-Minister vom Dezember umsetzen soll.

Das Empfinden der EU-Bürger insgesamt unterscheidet sich deutlich von dem der jüdischen Bevölkerung. Eine Erhebung der EU-Agentur für Grundrechte (FRA) hatte im Dezember ergeben, dass 90 Prozent der befragten Juden und Jüdinnen der Meinung sind, dass Antisemitismus in ihrem Land zunimmt.