Die 49 seit Wochen auf dem Mittelmeer auf Schiffen ausharrenden Migranten werden nach Malta gebracht und auf acht Länder der Europäischen Union verteilt. Das teilte Maltas Ministerpräsident Joseph Muscat mit.

32 Migranten waren am 22. Dezember von der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch gerettet worden. 17 weitere nahm das Schiff Professor Albrecht Penck von Sea-Eye am 29. Dezember auf. Seitdem hatten die Helferinnen und Helfer um Einfahrt in einen Hafen gebeten. Sowohl Italien als auch Malta sperren sich dagegen, dass private Rettungsschiffe Migranten an Land bringen.

Die nun ausgehandelte Vereinbarung sieht vor, dass die Migranten stattdessen mit einem Schiff des maltesischen Militärs an Land gebracht und schließlich von Deutschland, Frankreich, Portugal, Irland, Rumänien, Luxemburg, den Niederlanden und Italien aufgenommen werden. Die Rettungsschiffe seien dann aufgefordert, maltesische Gewässer unverzüglich zu verlassen.  

Als Gegenleistung für die Öffnung des Hafens in Valletta hatte die maltesische Regierung die Verteilung von weiteren Migranten gefordert, die die dortige Küstenwache Ende Dezember gerettet hatte. Von den insgesamt 298 Migranten werden laut Muscat 176 ebenfalls von den acht EU-Ländern aufgenommen. 78 können in Malta bleiben und 44 Menschen aus Bangladesch sollen in ihr Heimatland zurückgeschickt werden.

Trinkwasser und Nahrung waren knapp

Die Schiffe durften sich zwar vor einigen Tagen dem Hafen von Malta nähern, weil mehrere Personen bei schlechten Wetterbedingungen seekrank waren. Außerdem waren Trinkwasser und Nahrung knapp geworden. Eine Anlegeerlaubnis war damit aber nicht verbunden. Die Menschen schliefen auf der Krankenstation, teilten sich nur eine Toilette. Matratzen und Wechselkleidung gab es nicht. Malta und Italien hatten ihre Weigerung, private Seenotretter in ihren Häfen anlegen zu lassen, damit begründet, dass sich die EU-Staaten nicht auf eine Verteilung der Bootsflüchtlinge einigen können.

Der medizinische Einsatzleiter an Bord, Jan Ribbeck, sagte ZEIT ONLINE am Dienstag, dass inzwischen zwar alle Geflüchteten körperlich wieder stabil seien. Aber psychisch ginge es einigen sehr schlecht. Ribbeck sagte: "Manche reden nicht mehr und starren auf das Wasser, andere bekommen Weinkrämpfe, sobald wir sie ansprechen. Diese Menschen brauchen Sicherheit und lange professionelle Hilfe, um sich von den traumatischen Erlebnissen zu erholen."

"Keine Sternstunde Europas"

Malta und Italien hatten im vergangenen Jahr mehrfach Schiffe mit Geretteten an Bord auf dem Meer blockiert, beispielsweise die Schiffe Aquarius und Lifeline. "Jeder, EU-Mitgliedsstaaten und Nichtregierungsorganisationen, sollte die entsprechenden Regeln befolgen, statt ihrem eigenen Willen zu folgen und von anderen zu erwarten, die Probleme zu lösen, die sie verursacht haben", forderte Muscat.

In der Migrationsfrage sind die EU-Mitgliedsstaaten zerstritten. Solange es keinen europäischen Mechanismus zur Verteilung der aus Seenot Geretteten gebe, bleibe die Situation eine Notsituation, sagte Italiens Regierungschef Giuseppe Conte am Dienstagabend in einem Fernsehinterview.   

Hilfsorganisationen kritisieren, dass die Lösungen erst errungen werden, während die ohnehin schon traumatisierten Menschen auf dem Wasser ausharren.  Auch EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos kritisierte die EU-Staaten scharf: "Die vergangenen Wochen waren keine Sternstunde Europas", sagte er am Mittwoch in Brüssel. 49 Menschen fast drei Wochen lang auf See ausharren zu lassen, sei nicht das, wofür die EU stehe. Er dankte jedoch auf Twitter Malta und den anderen Staaten, die nun Solidarität zeigten.