Die Witwe des erstochenen Bürgermeisters von Danzig hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Polen für den Tod ihres Mannes verantwortlich gemacht. Im Fernsehsender TVP habe es hetzerische Kommentare gegen ihn gegeben, sagte Magdalena Adamowicz in einem Interview, das am späten Dienstagabend auf dem Portal Onet.pl veröffentlicht wurde. TVP trage dafür die Verantwortung, sagte die Witwe.

Paweł Adamowicz, der der rechtsgerichteten Regierungspartei PiS kritisch gegenüberstand, starb am 14. Januar, nachdem er am Vorabend auf einer Bühne bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung niedergestochen worden war. Gegen den 27-jährigen mutmaßlichen Angreifer, einen vorbestraften Mann, ermitteln die Behörden wegen Mordes. Als Motiv wurde Rache für eine gegen ihn verhängte Haftstrafe vermutet.

Die Mutter des Angreifers bat die Familie Adamowiczs um Vergebung. Ihr Sohn hätte eine diagnostizierte paranoide Schizophrenie gehabt, sagte sie.

TVP teilte mit, der Sender werde jeden verklagen, der andeutet, die Programme hätten zu dem Tod des Bürgermeisters beigetragen.

Adamowicz war mehr als 20 Jahre lang Danziger Bürgermeister. Er hatte sich während seiner Amtszeit für die Aufnahme von Flüchtlingen in Danzig eingesetzt. Außerdem hatte er Aktionen gegen die Versuche der regierenden PiS-Partei, die Kontrolle über die Justiz zu übernehmen, unterstützt. Die liberal-konservative Bürgerplattform (PO), die von 2007 bis 2015 die Regierung stellte, hatte Adamowicz bei der Wahl 2018 unterstützt, die er mit zwei Dritteln der Stimmen gewonnen hatte.