Die Flucht über das Mittelmeer ist für Migranten nach Angaben der Vereinten Nationen gefährlicher geworden. Im vergangenen Jahr seien jeden Tag im Durchschnitt sechs Menschen dabei ums Leben gekommen, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Genf mit. Im Jahr davor waren es zwar mehr als acht Menschen pro Tag, da waren die Flüchtlingszahlen aber auch deutlich höher.

Insgesamt kamen den Angaben zufolge im vergangenen Jahr fast 117.000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa, mindestens 2.275 seien ums Leben gekommen. Im Jahr davor waren es 172.000 Ankömmlinge und 3.139 Tote. Hilfsorganisationen verweisen aber darauf, dass wahrscheinlich mehr Migrantinnen bei der Flucht ertrinken. Nicht alle untergehenden Boote und Opfer würden überhaupt entdeckt.

Besonders drastisch war laut UNHCR die Entwicklung zwischen Libyen und den EU-Ländern Malta und Italien: Dort sei die Todesrate fast auf das Dreifache gestiegen. Während 2017 auf der Route ein Migrant pro 38 Ankömmlingen auf See ums Leben kam, war es im vergangenen Jahr ein Toter pro 14 Ankömmlinge. Wahrscheinlich habe die Einschränkung der Such- und Rettungsmissionen dazu beigetragen, dass die Todesrate gestiegen sei, erklärte das Flüchtlingshilfswerk.

"Man kann sich nicht aussuchen, ob man Menschen in Seenot rettet oder nicht. Es ist keine Frage der Politik, sondern eine uralte Pflicht", sagte UNHCR-Chef Filippo Grandi. "Wir können diese Tragödien beenden, indem wir Mut und Vision zeigen und nicht nur das nächste Flüchtlingsboot sehen, sondern eine langfristige Lösung mit regionaler Kooperation finden, bei der das menschliche Leben und die Würde im Mittelpunkt stehen."

Die Flüchtlingsrouten haben sich im vergangenen Jahr Richtung Spanien verschoben. Während die Zahl der Ankömmlinge in Italien um 80 Prozent auf gut 23.000 zurückging, stieg sie in Spanien um 164 Prozent auf knapp 59.000. Viele Boote legen inzwischen in Marokko ab.

Zivile Rettungsschiffe im Mittelmeer

  • Mare Jonio: Eine Kooperation von NGOs aus Italien, Spanien und Deutschland

    Mare Jonio
    • Auf Mission
    • Sea Watch
    • Italienische Flagge
    • Schiffsregister
    • Ort: Such- und Rettungszone vor Libyen
    • Größe: 38 × 9 Meter
    • Kapazität: 100 Personen

    Das Schiff "Mare Jonio" entstammt einer Initiative aus Italien: die Mediterranea. Dafür haben sich Aktivisten, Gewerkschaften und Parlamentarier zusammengeschlossen und per Crowdfunding ein Schiff gekauft. Die spanische NGO Proactiva Open Arms und die deutsche NGO Sea-Watch steuerten zusätzlich Expertise und Equipment bei. Im Oktober 2018 startete die Mare Jonio ihre erste Mission. Im März 2019, nach der Rettung von 49 Schiffbrüchigen, wurde das Schiff auf Sizilien festgesetzt. "In Italien gibt es jetzt eine Regierung, die die Grenzen verteidigt und die dafür sorgt, dass die Gesetze eingehalten werden, vor allem von den Menschenhändlern. Wer einen Fehler macht, bezahlt", twitterte der Innenminister Matteo Salvini. Seit dem 7. Mai ist die Mare Jonio wieder im zentralen Mittelmeer. Verfolgen Sie hier die aktuelle Position der Mare Jonio.

  • Open Arms: Rettungsschwimmer aus Spanien

    Open Arms
    • Inaktiv
    • Proactiva Open Arms
    • Spanische Flagge
    • Schiffsregister
    • Ort: Lesbos, Griechenland
    • Größe: 37 × 10 Meter
    • Kapazität: 400 Personen

    Im September 2015 zogen engagierte spanische Rettungsschwimmer spontan nach Lesbos und retteten schiffbrüchige Flüchtlinge wortwörtlich mit ihren bloßen Händen und Schwimmflossen. Aus der Initiative wurde über die Jahre eine NGO namens Proactiva Open Arms mit eigenen Schiffen. Seit Juli 2017 ist die "Open Arms" ihr Flaggschiff. Sie geriet immer wieder in die Schlagzeilen: Bei ihren Einsätzen wurde sie mehrmals von libyschen Milizen bedroht und im Frühjahr 2018 beschlagnahmte die italienische Staatsanwaltschaft sie vorübergehend. Anfang August wartete das Schiff tagelang mit 87 Flüchtlingen an Bord darauf, an einem europäischen Hafen anlegen zu dürfen. Letztlich durfte es in den Hafen von Algeciras in Spanien. Mitte August verließ das Schiff den Hafen wieder. Am 28. Dezember 2018 brachte es 300 Migrantinnen und Migranten nach einwöchiger Irrfahrt auf dem Mittelmeer nach Spanien. Im Februar 2019 wurde das Schiff nach einer Rettungsmission erneut festgesetzt, am 27. März kam es wieder frei und plant die nächste Mission. Verfolgen Sie hier die aktuelle Position der Open Arms.

  • Sea-Watch 3: Unsicherheit durch neue Sicherheitsverordnung

    Sea-Watch 3
    • Inaktiv
    • Sea Watch
    • Niederländische Flagge
    • Schiffsregister
    • Ort: Marseille, Frankreich
    • Größe: 55 × 12 Meter
    • Kapazität: 50 - 500 Personen

    Von November 2017 bis Januar 2018 retteten die Crews der “Sea-Watch 3” etwa 1.500 Menschen ohne größere Reibereien. Die Probleme kamen erst, als der italienische Verkehrsminister auf Twitter den Flaggenstatus von zivilen Rettungsschiffen anzweifelte. Daraufhin hatten maltesische Behörden monatelang eine erneute Ausfahrt blockiert, die Vorwürfe erwiesen sich als haltlos. Im Februar wurde das Schiff erneut im italienischen Catania festgesetzt. Die italienische Küstenwache habe "eine Reihe Ordnungswidrigkeiten" festgestellt; auch diese erwiesen sich als haltlos. Anfang April blockierten niederländische Behörden eine Ausfahrt: Das Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft hatte kurzfristig eine neue Sicherheitsverordnung erlassen. Sea-Watch warf den Behörden überstürztes Vorgehen vor, es habe keine Vorankündigung oder Übergangszeit gegeben. In einem Eilverfahren klagte der Verein gegen diese neuen Verordnungen vor. Der Gerichtshof in Den Haag bestätigte am 7. Mai die Rechtswidrigkeit. Laut der Organisatoren wird die Sea-Watch 3 ihren Such- und Rettungseinsatz so bald wie möglich wieder aufnehmen. Verfolgen Sie hier die aktuelle Position der Sea Watch 3.

  • Alan Kurdi: Die erste Mittelmeermission unter deutscher Flagge

    Alan Kurdi
    • Inaktiv
    • Sea Eye
    • Deutsche Flagge
    • Schiffsregister
    • Ort: Burriana, Spanien
    • Größe: 39 × 7 Meter
    • Kapazität: 150 Personen

    Im Jahr 2015 ging das Bild des leblosen Flüchtlingsjungen Alan Kurdi um die Welt – und bewegte die Mitglieder der Sea-Eye dazu, in die Seenotrettung zu gehen. Zunächst fuhren sie mit der "Seefuchs" ins Mittelmeer, später mit der "Sea-Eye" und Ende 2018 mit dem deutlich größeren Forschungsschiff "Professor Albrecht Penck". Dieses benannten sie am 10. Februar 2019 in "Alan Kurdi" um. Die Schiffstaufe nahm der Vater des toten Jungen vor. Als erstes ziviles Seenotrettungsschiff für das Mittelmeergebiet hat es eine deutsche Flagge. Bei ihrer dritten Mission im April rettete die Crew 64 Menschen. Zehn Tage lang hatten EU-Mitgliedstaaten über deren Verbleib verhandelt, schließlich erklärten sich Deutschland, Frankreich, Portugal und Luxemburg bereit zur Aufnahme der Flüchtlinge. Das Rettungsschiff selbst durfte nicht auf Malta anlegen, nicht tanken und die Crew durfte das Schiff nicht verlassen. Nun macht das Schiff eine mehrwöchige Werftpause. Verfolgen Sie hier die aktuelle Position von Alan Kurdi.

  • YachtFleet: Segeljachtflotte statt Schiff

    YachtFleet
    • Inaktiv
    • Mission Lifeline
    • Deutsche Flagge
    • Sportbootregister
    • Ort: n.n.
    • Größe: Segeljachten ab 12 Meter
    • Kapazität: n.n.

    Anstelle eines großen Rettungsschiffes will Mission Lifeline in Zukunft mehrere private Segeljachten zu einer Flotte zusammenfassen und aufs Mittelmeer schicken. Eine Testfahrt Ende Oktober hat gezeigt, dass eine Segeljacht grundsätzlich bis vor die libysche Küste fahren und dort Erste Hilfe leisten kann. Im April hat Mission Lifeline bereits private Jachtbesitzer ausgebildet, Anfang Juni ist eine zweite Trainingsphase geplant. Vom 16. bis 21. Juni soll dann eine Flotte von Jachten auf das zentralen Mittelmeer fahren – nach Angaben der NGO allerdings nicht auf eine Rettungsmission, sondern zu einer gemeinsamen Demonstration, um Druck auf die EU auszuüben. Gleichzeitig gibt Mission Lifeline an: "Wir können nicht ausschließen, dass wir während der Demonstration im zentralen Mittelmeer auf Menschen in Seenot treffen. Darauf müssen wir vorbereitet sein".

  • Aquarius 2: Einsatz beendet wegen politischer Angriffe

    Aquarius 2
    • Inaktiv
    • SOS Mediterranée
    • Liberische Flagge
    • Schiffsregister
    • Ort: n.n.
    • Größe: 77 × 12 Meter
    • Kapazität: 200 - 550 Personen

    Anfang Dezember 2018 beendete SOS Méditerranée den Einsatz der "Aquarius". Der Entscheidung sei "eine Reihe von gezielten politischen Angriffen auf die lebensrettende Arbeit der Hilfsorganisation" vorausgegangen. Im Sommer 2018 war die "Aquarius" das letzte und größte zivile Rettungsschiff auf dem Mittelmeer. Bei ihrer Mission im August rettete die Crew 65 Flüchtlinge und brachte sie in den Hafen von Marseille, Frankreich. Danach gab es zahlreiche Probleme. Nach Gibraltar entzog auch Panama dem Schiff die Flagge, das Schiff erhielt eine liberianische Flagge, die allerdigns keine erneute Ausfuhr erlaubte. Außerdem wollte die italienische Staatsanwaltschaft gegen 24 Crewmitglieder ermitteln und das Schiff beschlagnahmen lassen, weil es potenziell gefährlichen Müll illegal entsorgt haben soll. SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen sprachen von einer Kriminalisierung. Verfolgen Sie hier die aktuelle Position der Aquarius 2.

  • Lifeline: Auf der maltesischen Anklagebank

    Lifeline
    • Beschlagnahmt
    • Mission Lifeline
    • Niederländische Flagge
    • Sportbootregister
    • Ort: Valletta, Malta
    • Größe: 32 × 8 Meter
    • Kapazität: 300 Personen

    Die “Lifeline” hieß früher “Sea-Watch 2” und war ein Rettungsschiff der gleichnamigen Organisation. 2017 kaufte die Dresdner Hilfsorganisation Mission Lifeline das Rettungsschiff und fuhr damit selbst auf Missionen. Im Juni 2018 geriet die "Lifeline" in die Schlagzeilen: Sie hatte 234 Flüchtlinge aufgenommen und durfte tagelang an keinem europäischen Hafen anlegen. Erst als sich mehrere Länder bereit erklärt hatten, die Flüchtlinge aufzunehmen, legte sie auf Malta an. Seither ist das Schiff dort beschlagnahmt und gegen den Kapitän Claus-Peter Reisch läuft ein Prozess. Malta wirft ihm vor, unter falscher Flaggenzertifizierung gefahren zu sein; das Schiff ist ein Trawler, aber als Sportboot in den Niederlanden registriert. 2019 soll ein Urteil fallen. Verfolgen Sie hier die aktuelle Position der "Lifeline". Verfolgen Sie hier die aktuelle Position der Lifeline

  • Iuventa: Seit 2017 beschlagnahmt ohne Anklage

    Iuventa
    • Beschlagnahmt
    • Jugend Rettet
    • Niederländische Flagge
    • Sportbootregister
    • Ort: Trapani, Italien
    • Größe: 33 × 7 Meter
    • Kapazität: 200 Personen

    2015 gründeten junge Berlinerinnen und Berliner die Initiative Jugend Rettet und kauften über eine Crowdfunding-Kampagne einen Fischkutter. 2016 startete die “Iuventa” ihre erste Mission und rettete in den darauffolgenden zwei Jahren 14.000 Menschen auf hoher See. Im August 2017 beschlagnahmten italienische Behörden das Schiff ohne Anlass und werfen der Hilfsorganisation Kooperation mit Schlepperbanden vor. Eine offizielle Anklage gibt es bis heute nicht. Jugend Rettet versuchte zwischenzeitlich, gerichtlich gegen die Beschlagnahmung vorzugehen; im April 2018 scheiterte ihr Einspruch aber vor dem Kassationsgericht in Rom. Seit August 2018 ist zudem bekannt, dass Ermittlungen gegen zehn Crewmitglieder der "Iuventa" laufen. Die Anwälte der Iuventa-Crew rechnen mit einer Anklageerhebung im Herbst 2019. Verfolgen Sie hier die aktuelle Position der Iuventa.

  • Seefuchs: Gestiftet an eine spanische NGO

    Seefuchs
    • Inaktiv
    • Sea Eye
    • Deutsche Flagge
    • Schiffsregister
    • Ort: Gibraltar, Vereinigtes Königreich
    • Größe: 26 × 6 Meter
    • Kapazität: 150 Personen

    Die "Seefuchs" hatte immer schon eine politische Geschichte: Sie war jahrzehntelang Teil der DDR-Fischfangflotte, nach der Wende wurde sie zum Forschungs- und Traditionsschiff, ab Mai 2017 retteten die Crews der "Seefuchs" mehr als 5.000 Menschen aus dem Mittelmeer. Nachdem die "Seefuchs" am 21. Juni im Hafen von Valletta in Malta einlief, ging es aber monatelang nicht weiter. Die Hafenbehörde blockierte die Ausfahrt und verlangte ein Ende der Rettungsmissionen sowie eine andere als die niederländische Flagge im Sportbootregister. Das Schiff wurde von Sea-Eye mittlerweile an die spanische NGO Proemaid gestifftet, die ebenfalls Rettungseinsätze im Mittelmeer plant. Proemaid nutzt die Seefuchs für Übungsmissionen vor Spanien. Verfolgen Sie hier die aktuelle Position der Seefuchs.

  • Sea-Eye: auf dem Rückweg nach Deutschland

    Sea-Eye
    • Inaktiv
    • Sea Eye
    • Niederländische Flagge
    • Sportbootregister
    • Ort: Lagos, Portugal
    • Größe: 26 × 4 Meter
    • Kapazität: 150 Personen

    Die "Sea-Eye" ist das erste Schiff der gleichnamigen Organisation. Der ehemalige Fischkutter ist als Sportboot in den Niederlanden registriert und fuhr damit mehrere Missionen im Mittelmeer. Nachdem Italien im Juni 2018 den Flaggenstatus der "Sea-Eye" angezweifelt hatte und sich die Niederlande daraufhin nicht mehr verantwortlich erklärten, wartete das Schiff zunächst im Hafen von Hammamet, Tunesien, auf eine Klärung der Frage. Inzwischen hat die "Sea-Eye" einen Maschinenschaden und liegt im Hafen von Málaga in Spanien. Grundsätzlich soll das Schiff zurück nach Deutschland zurück und dort als Museumsschiff genutzt werden. Insgesamt hatte die "Sea-Eye" über 9.000 Menschen gerettet. Verfolgen Sie hier die aktuelle Position der Sea Eye.