In Berlin sind vier Mitglieder der AfD von einer Gruppe angegriffen, geschlagen und zum Teil verletzt worden. Das teilte die Polizei mit und sprach unter Verweis auf Aussagen der Opfer von fünf bis sieben Angreifern. Laut einer Polizeisprecherin waren die Attackierten auf dem Weg zum Kino International auf der Karl-Marx-Allee, als sie angegriffen wurden. 

Demnach wurden zwei der vier Opfer durch Schläge mit der Faust oder einem in einem Stoffbeutel versteckten Gegenstand leicht verletzt. Die Männer im Alter von 27 und 31 Jahren hätten eine Behandlung im Krankenhaus abgelehnt und seien vor Ort versorgt worden, hieß es.   

Vadim Derksen, Vorstandsmitglied der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative Berlin und einer der Angegriffenen, sagte ZEIT ONLINE, die Angreifer hätten "Scheiß Nazis" gerufen und zerbrochene Weingläser und Batterien als Stich- und Schlaggegenstände genutzt. Er habe leichte Schnittwunden erlitten und sie nachträglich der Polizei gemeldet. In einem Video sprach er von zerbrochenen Glasflaschen als Angriffswaffen.

Die Polizei bestätigte die "Scheiß-Nazis"-Rufe bislang nicht, hat nach Angaben Derksens aber die Personalien von Zeugen aufgenommen. Derksen sagte, auch sein Vorstandskollege Roman Pankratow sei verletzt worden. Ein weiteres Mitglied der Jungen Alternative habe eine Platzwunde am Kopf erlitten. Ein zweites Mitglied der vierköpfigen Gruppe blieb demnach unverletzt. Die Junge Alternative hatte selbst öffentlich angekündigt, dass Mitglieder die Filmvorführung besuchen wollten.  

Polizei hat noch keine Hinweise auf Täter

Der Frankfurter Allgemeine Zeitung nach erschien kurz nach dem Zwischenfall der AfD-Bundestagsabgeordnete Petr Bystron – begleitet von einem Kameramann – vor dem Kino und zeichnete einen kurzen Kommentar zu dem Vorfall auf. Darin beschuldigte er die Antifa des Angriffs, ohne einen Beweis zu liefern. Die Polizei hat nach eigenen Angaben noch keine Hinweise auf die Täter oder die Hintergründe der Tat.

Der Vorfall ereignete sich kurz vor Beginn der Vorführung des Dokumentarfilms Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto von Roberta Grossman, den Berlinale-Direktor Dieter Kosslick kurzfristig ins Programm genommen hatte. Kosslick hatte Anhänger sowie Vertreter der AfD zum kostenlosen Besuch des Films eingeladen. "Alle AfD-Mitglieder, alle Abgeordneten im Bundestag der AfD werden kostenlos ins Kino dürfen. Von mir persönlich eingeladen. Ich bezahle jedes Ticket", hatte der scheidende Festivaldirektor gesagt. Nach Angaben der Berlinale wurden bis kurz vor Vorstellungsbeginn nur sechs Tickets angemeldet oder abgeholt.