Der Mutterverlag des US-Boulevardblatts National Enquirer hat Vorwürfe einer Straftat im Zusammenhang mit der Veröffentlichung intimer Fotos von Amazon-Chef Jeff Bezos zurückgewiesen. Das Blatt habe sich weder der Erpressung noch der Nötigung schuldig gemacht, sagte Anwalt Elkan Abramowitz, der den Vorstandschef des Verlags American Media, Inc. (AMI), David Pecker, in diesem Fall vertritt.

Hintergrund ist die Trennung des Washington-Post-Besitzers Bezos von seiner Ehefrau Mackenzie – und sein Verhältnis mit einer früheren Fernsehmoderatorin. Das Paar hatte am 9. Januar bekannt gegeben, sich nach 25 Ehejahren scheiden zu lassen. US-Medienberichten zufolge ging das Paar mit seiner Trennung an die Öffentlichkeit, nachdem der National Enquirer den Amazon-Chef über die Veröffentlichung einer entsprechenden Geschichte informiert hatte. Kurz nach Ankündigung der Scheidung machte das Blatt dann die Affäre öffentlich und publizierte "schlüpfrige Textnachrichten und schwärmerische Liebesnotizen" von Bezos und seiner neuen Freundin.

Bezos beauftragte daraufhin Privatermittler, um denjenigen ausfindig zu machen, der die intimen Fotos und Textnachrichten an den National Enquirer weitergegeben hatte. Daraufhin sollen die Boulevardzeitung und ihr Verlag AMI den Multimilliardär nach eigener Aussage erpresst haben. Bezos zufolge soll AMI von ihm verlangt haben, die Ermittlungen zu der schon publizierten Enthüllungsgeschichte zu stoppen und zu erklären, dass diese Veröffentlichung nicht "politisch motiviert oder durch politische Kräfte beeinflusst war". Andernfalls würde neues sehr privates Material veröffentlicht.

Am vergangenen Donnerstag veröffentlichte Bezos in einem offenen Brief offenkundig von AMI-Verantwortlichen verschickte E-Mails – trotz darin enthaltener Peinlichkeiten für ihn selbst. Und er machte deutlich, dass er sehr wohl politische Motive hinter der Enquirer-Geschichte sieht. Schließlich sei AMI-Chef David Pecker ein langjähriger Vertrauter von Donald Trump, der Bezos für die kritische Berichterstattung seiner Zeitung Washington Post bereits mehrfach angegriffen hatte. Dabei ging es auch um dessen Nähe zu Saudi-Arabien. Bezos seinerseits verwies auf die Verbindungen von AMI zu Trump und zu Saudi-Arabien.

Der Anwalt von AMI-Chef Pecker, Elkan Abramowitz, wies Bezos' Erpressungsvorwurf am Sonntag in einem Interview des Nachrichtensenders ABC News zurück. Es habe sich um legitime Verhandlungen zwischen zwei Seiten mit unterschiedlichen Interessen gehandelt. "Ich denke, Bezos und AMI hatten Interesse daran, ihre Differenzen beizulegen", sagte Abramowitz. "Bezos wollte nicht, dass eine andere Geschichte über ihn geschrieben wird oder diese Fotos veröffentlicht werden. AMI wollte nicht die Verleumdung gegen sich, vom Weißen Haus, von Saudi-Arabien oder von der Washington Post inspiriert worden zu sein."

Wer dem National Enquirer die privaten Textnachrichten und Fotos von Bezos zugespielt hat, wollte Abramowitz nicht sagen. Er sprach von einer "verlässlichen Quelle", mit der das Blatt schon seit sieben Jahren zusammenarbeite und die sowohl Bezos als auch seine Freundin gut kenne. Laut eines Berichts der US-Nachrichtenplattform The Daily Beast soll deren Bruder die Fotos und SMS durchgestochen haben. Demnach ist er ein bekennender Unterstützer von Donald Trump und steht mehreren Personen aus dem Umfeld des US-Präsidenten nahe.

David Pecker und sein AMI-Verlag sorgen immer wieder für Schlagzeilen – auch und gerade im Zusammenhang mit Trump. So spielte AMI eine zentrale Rolle in der Schweigegeldaffäre im Zusammenhang mit angeblichen Liebschaften Trumps. Der Enquirer soll sich mehrfach die Rechte an kompromittierenden Geschichten gesichert haben, um sie zugunsten Trumps totzuschweigen. Die Methode ist in den USA als catch and kill bekannt (zu Deutsch etwa: "fangen und vernichten").