Bei einem Neonazi-Aufmarsch in Dresden haben Polizisten mehrere Journalisten behindert. "Ich bedaure es sehr, dass Medienvertreter in ihrer Arbeit beeinträchtigt worden sind", sagte der leitende Polizeidirektor René Demmler laut einer Mitteilung der Dresdner Polizei. "Den Journalisten, der obwohl als solcher erkennbar, dennoch beiseitegestoßen wurde, bitte ich ausdrücklich um Entschuldigung." Am Freitagabend vergangener Woche hatten mehr als 1.200 Neonazis einen sogenannten Trauermarsch anlässlich des Jahrestags der Bombardierung Dresdens abgehalten, etwa eine gleich große Zahl von Demonstranten protestierte dagegen. Die Polizei trennte die Lager voneinander.

Der Einsatz am 15. Februar sei von einer spannungsgeladenen und konfrontativen Lage geprägt gewesen, sagte Demmler. Für die Einsatzbeamten gestalte es sich in solchen Situationen äußerst schwierig, Demonstranten und Pressevertreter innerhalb von Sekunden auseinanderzuhalten.

Nach Angaben der Polizei reichten sechs Journalisten während der Demonstration Beschwerde ein, ein weiterer meldete sich demnach im Verlauf der vergangenen Woche. Eine Auswertung habe ergeben, dass Einsatzkräfte in einzelnen Fällen Journalisten trotz Vorzeigens eines Presseausweises abgewiesen und teilweise weggedrängt hätten. In einem Fall sei ein erkennbarer Journalist beiseitegestoßen worden, letztlich sei die Kommunikation einiger Einsatzbeamter gegenüber den Journalisten kritikwürdig.

Unter den betroffenen Journalisten waren den Informationen zufolge vier für die Sächsische Zeitung und einer für die Dresdner Neusten Nachrichten unterwegs. Zwei weitere seien überregionale Berichterstatter gewesen. Die Polizei bot den Medienvertretern eigenen Angaben nach persönliche Gespräche an. Mit den Journalisten der Sächsischen Zeitung habe man mittlerweile "in konstruktiver Atmosphäre" gesprochen. Die Vorfälle würden kritisch nachgearbeitet. Anzeigen gab es laut Polizei nicht.