Drogenhandel - Drogenboss El Chapo in New York verurteilt Ein Geschworenengericht in New York hat den mexikanischen Drogenboss Joaquín El Chapo Guzmán schuldig gesprochen. Er dürfte lebenslang in Haft bleiben. © Foto: Edgard Garrido/Reuters

Der mexikanische Drogenboss Joaquín Guzmán, genannt El Chapo, ist in den USA schuldig gesprochen worden. Die Jury sah die Schuld des 61-Jährigen in allen zehn Anklagepunkten als erwiesen an. Für den schwersten Anklagepunkt, die Beteiligung an einer Verbrecherorganisation, schreibt das US-Strafgesetzbuch lebenslange Haft vor. Guzmán kann keinen Antrag auf vorzeitige Entlassung stellen und dürfte damit bis zu seinem Tod im Gefängnis bleiben. Das Strafmaß soll zu einem späteren Zeitpunkt verkündet werden. Allerdings kündigten Guzmáns Anwälte bereits an, Berufung gegen das Urteil einlegen zu wollen. Die Verteidigung habe wie verrückt für Guzmán gekämpft und werde dies weiter tun, sagte Anwalt Jeffrey Lichtman.

Zu den weiteren Anklagepunkten zählten der Handel mit Kokain, Heroin, Methamphetamin und Marihuana sowie Geldwäsche und Waffenschmuggel. Der Prozess gegen den ehemaligen Chef des Sinaloa-Kartells lief seit November unter strengen Sicherheitsvorkehrungen im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Eine nach US-Bundesgesetz zulässige Todesstrafe war in dem Verfahren nach einer Einigung zwischen den USA und Mexiko, das Guzmán nach seiner Festnahme ausgeliefert hatte, ausgeschlossen.

Rund 35 Stunden über sechs Tage hinweg hatte die zwölfköpfige Jury aus acht Frauen und vier Männern über Guzmáns Schuld oder Unschuld diskutiert. Auch eine Verurteilung in nur einem oder einigen der Anklagepunkte hätte für Guzmán eine jahrelange oder lebenslange Haftstrafe bedeutet. Ein Freispruch schien angesichts der teils erdrückenden Beweislast sehr unwahrscheinlich.

Guzmán verzichtete auf eigene Aussage

Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Prozess über zweieinhalb Monate massenhaft Beweismaterial vorgelegt und mehr als 50 Zeugen aufgerufen. Guzmáns Anwälte riefen dagegen nur einen einzigen Zeugen auf und beendeten ihre Verteidigung innerhalb von 30 Minuten. Ihre Strategie bestand im Wesentlichen darin, die Zeuginnen und Zeugen der US-Regierung als Lügner darzustellen, die durch Aussagen gegen Guzmán lediglich eigene Haftstrafen verringern wollten. Guzmán selbst hatte darauf verzichtet, auszusagen.

Guzmán ist derzeit in einem Hochsicherheitsgefängnis in New Yorks Stadtteil Manhattan untergebracht. Offen ist, ob er seine Strafe dort absitzen soll oder in eine andere Haftanstalt verlegt wird. In Mexiko gelang es Guzmán bereits zweimal, aus dem Gefängnis auszubrechen: 2001 entkam er in einem Wäschekorb und 2015 durch einen Tunnel, den Komplizen bis unter seine Zelle gegraben hatten.

Vorwürfe gegen Mexikos Ex-Präsidenten

Mitte Januar hatten US-Medien unter Berufung auf Aussagen des Zeugen Alex Cifuentes berichtet, dass Guzmán dem Ex-Präsidenten Mexikos, Enrique Peña Nieto, Schmiergeld in Höhe von 100 Millionen Dollar gezahlt haben soll. Peña Nieto war von 2012 bis Dezember 2018 im Amt. Cifuentes zufolge soll er das Geld im Oktober 2012 erhalten haben – kurz vor seinem Amtsantritt.

Die Anklage habe den Aussagen von Cifuentes hohe Glaubwürdigkeit zugemessen, hieß es. Der Kolumbianer war selbst Drogenhändler und enger persönlicher Berater und Sekretär Guzmáns. Nach Angaben des US-Senders CNN soll er die Schmiergeldzahlung bereits 2017 den Ermittlungsbehörden in den USA mitgeteilt haben.