Der US-Schauspieler Jussie Smollett ist im Fall eines angeblichen rassistischen und homophoben Angriffes auf ihn nun selbst zum Beschuldigten geworden. Der Star der Serie Empire sei wegen einer Straftat im Zusammenhang mit der Erstattung einer falschen Anzeige angeklagt worden, sagte Polizeisprecher Anthony Guglielmi. Dafür könnte Smollett eine Haftstrafe von ein bis drei Jahren bekommen. Möglicherweise muss er auch die Kosten der Ermittlungen zu dem angeblichen Angriff zahlen.

Smollett habe "den Schmerz und die Wut im Zusammenhang mit Rassismus missbraucht, um seine Karriere voranzutreiben", sagte Chicagos Polizeichef Eddie Johnson. Vermutlich habe er auch einen zuvor an ihn adressierten Drohbrief selbst abgeschickt. "Smollett inszenierte diesen Stunt, weil er mit seinem Gehalt unzufrieden war", sagte Johnson. Der Schauspieler habe zwei Brüdern 3.500 Dollar dafür gezahlt, dass sie den Angriff spielten. Der Scheck liege als Beweismittel vor.

Auch die Anwältin der Brüder sagte, Smollett habe ihnen Geld gegeben. "Es gab einen Punkt, an dem die Geschichte erzählt werden musste, und sie rissen sich zusammen und sagten, wir werden dies richtigstellen." Smolletts Anwälte kündigten an, ihn "aggressiv" zu verteidigen und eine eigene Untersuchung zu starten. Am Donnerstag hatte sich der Schauspieler nach Angaben der Chicago Sun-Times den Behörden gestellt. Smollett wurde einem Gericht vorgeführt, das eine Kaution in Höhe von 100.000 Dollar festsetzte. Laut US-Medien musste der Schauspieler außerdem seinen Pass abgeben.

Der Schauspieler hatte behauptet, er sei am 29. Januar um zwei Uhr morgens auf dem Weg nach Hause von zwei vermummten Männern überfallen worden. Sie hätten ihn zusammengeschlagen, rassistisch und homophob beschimpft, ihm eine Schlinge um den Hals gelegt und mit Bleichmittel überschüttet. Dabei sollen sie nach Smolletts Darstellung gebrüllt haben: "Das ist Maga-Land" – eine Anspielung auf den Slogan "Make America Great Again", den US-Präsident Donald Trump verwendet.

Bei ihren Ermittlungen habe die Polizei jedoch keine Hinweise finden können, die das geschilderte Geschehen belegten, sagte der Polizeisprecher. So seien keine Aufnahmen auffindbar gewesen, obwohl die Innenstadt von Chicago, wo sich der Angriff ereignet haben soll, einer der Orte mit der weltweit höchsten Dichte an Überwachungskameras ist. Die Ermittler hätten schließlich zwei Verdächtige befragt, deren Aussagen der Untersuchung eine neue Richtung gaben, sagte Guglielmi weiter. Die Polizei wolle Smollett nun ein weiteres Mal befragen.

Trump kritisierte Smollett auf Twitter und schrieb, der Schauspieler habe viele Millionen Menschen mit seinen "rassistischen und gefährlichen" Bemerkungen beleidigt.