Fast auf den Tag genau drei Monate nach Beginn der Gelbwesten-Proteste in Frankreich haben erneut Tausende Menschen gegen die Politik der Regierung von Präsident Emmanuel Macron demonstriert. Bis Samstagnachmittag gingen landesweit etwa 10.000 Menschen auf die Straße, davon 3.000 in Paris, wie eine Sprecherin des Innenministeriums sagte. Erneut kam es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten. In Paris, Lyon und Bordeaux setzten die Behörden Tränengas ein, nachdem sie von Demonstranten angegriffen und Mülltonnen in Brand gesetzt worden waren. In der Stadt Rouen im Norden des Landes wurden vier Menschen verletzt, nachdem ein Autofahrer sich seinen Weg durch eine Gruppe von Demonstranten bahnen wollte.

Auch in vielen anderen Städten fanden wieder Demonstrationen der Gelbwesten statt, etwa in Marseille und Straßburg. In Toulouse blockierten einige Gelbwesten-Demonstranten einen Standort von Amazon, wie der Sender BFM TV berichtete. Demnach versperrten Demonstrierende einigen Lastwagen zeitweilig die Zufahrt zu einem Warenlager des Onlineversandhändlers.

Die Protestbewegung demonstriert seit November jedes Wochenende unter anderem gegen die Politik des französischen Präsidenten Emmanuel Macron und hat damit die größte Krise in dessen Amtszeit ausgelöst. Ursprünglich hatte sich die Wut an geplanten Steuererhöhungen auf Treibstoffe entzündet. Mittlerweile richtet sie sich auch gegen Macron selbst, dem viele Gelbwesten eine Politik für die Reichen und eine Missachtung von Menschen mit geringem Einkommen vorwerfen. Darüber hinaus richten sich die Proteste gegen die als zu niedrig empfundene Kaufkraft im Land sowie gegen das teilweise brutale Vorgehen der Polizei gegen Demonstrantinnen und Demonstranten.

Laut Umfrage erstmals Mehrheit für Ende der Proteste

Immer wieder kam es bei den Protesten in den vergangenen Monaten zu Ausschreitungen und Gewalt. Inzwischen gibt es daher innerhalb der Protestbewegung die Gruppe der Rotschals, die sich gegen Gewalt bei den Demonstrationen ausspricht. Macron hatte unter dem Druck der Proteste zunächst eine Reihe von Reformen angekündigt, darunter eine Erhöhung des Mindestlohns und die Rückabwicklung einer umstrittenen Steuererhöhung für Rentern. Später initiierte der Präsident eine nationale Debatte, um mit den Bürgerinnen und Bürgern über ihre Forderungen zu diskutieren.

Zuletzt sind die Teilnehmerzahlen der Demonstrationen offiziellen Angaben zufolge gesunken. Hatte die Zahl der Demonstranten zu Beginn noch regelmäßig die 100.000 überschritten, lag sie vergangene Woche Polizeiangaben zufolge nur noch bei gut 51.000. Mit 56 Prozent der Befragten wünscht sich einer aktuellen Umfrage des Instituts Elabe zufolge außerdem erstmals eine Mehrheit in Frankreich ein Ende der Proteste.

In Deutschland blieb ein Versuch der Aufstehen-Bewegung von Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht, nach Vorbild der Gelbwesten-Proteste in 14 Städten zu demonstrieren, überschaubar. Unter dem Motto "Wir sind viele. Wir sind vielfältig. Wir haben die Schnauze voll!" versammelten sich nach Angaben von Polizei und Beobachtern insgesamt lediglich 2.000 Menschen zur Aktion Bunte Westen; in Mainz seien nur drei Leute erschienen.