Vor einer Konferenz im Vatikan zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche hat der Chefaufklärer des Papstes, Erzbischof Charles Scicluna, weitreichende Konsequenzen angekündigt. Unmittelbar nach dem am Donnerstag beginnenden viertägigen Treffen werde Papst Franziskus mit den Organisatoren über die weiteren Schritte beraten, sagte Scicluna. Schon jetzt sei das Personal in der zuständigen Abteilung der Glaubenskongregation von 10 auf 17 Kirchenjuristen deutlich aufgestockt worden; die Verfahren würden spürbar beschleunigt.

Scicluna ermittelt seit 2002 im Auftrag des Papstes gegen Kleriker, die Minderjährige sexuell missbraucht haben. Der Erzbischof kündigte ein konsequentes Durchgreifen gegen Täter auch im Inneren des Vatikans an.

Bei dem Treffen stehen der katholischen Kirche zufolge die drei Themen Verantwortung, Rechenschaft und Transparenz im Zentrum. Zu der Konferenz werden rund 190 Teilnehmer erwartet, darunter der Papst, die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen der Welt, Vertreter der Römischen Kurie und andere Geistliche. Kritisiert wurde im Vorfeld, dass nur etwa zehn Frauen zu dem Treffen geladen wurden. Vor der Konferenz sollen die Organisatoren hinter verschlossenen Türen auch Opfer treffen.

Der Vatikan erhofft sich von der Konferenz eine Wende in der seit Jahrzehnten anhaltenden Krise. "Die katholische Welt muss verstehen, dass Bischöfe weltweit Verantwortung tragen für das, was getan wurde", sagte der US-Kardinal Blase Cupich, der zum Vorbereitungskomitee des Vatikans gehört. Vatikan-Sprecher Alessandro Gisotti teilte mit, "es braucht das Engagement aller, dem Monster ins Auge zu schauen".

Opfervertreter appellieren an Papst Franziskus

Die katholische Kirche wird seit Jahren von Missbrauchsaffären erschüttert und befindet sich dadurch in der Krise. Bislang waren vor allem Übergriffe auf Kinder und Jugendliche bekannt geworden. Zuletzt bestätigte der Papst auch den Missbrauch von Nonnen durch Priester und Bischöfe.

Opfervertreter sehen die Konferenz im Vatikan als Ergebnis ihres Engagements für die Aufklärung dieser Verbrechen. "Diese Konferenz gibt es nur wegen des Leids, wegen der Opfer und der Zeugnisse von Opfern weltweit", sagte der Sprecher der Initiative Ending Clergy Abuse. Seit Franziskus Papst sei, habe er "null Toleranz" für Missbrauch versprochen. Es sei nun Zeit, dieses Versprechen einzulösen.