Der Bundesnachrichtendienst (BND) warnt vor der Ausbreitung mafiöser Organisationen aus Nigeria in Deutschland. Das berichtet der Spiegel unter Berufung auf ein vertrauliches Dokument des Geheimdienstes. Die Einreise nigerianischer Asylbewerber, die vermehrt aus Italien in die Bundesrepublik kämen, werde zu einer Stärkung der "äußerst brutal agierenden nigerianischen Strukturen der organisierten Kriminalität führen", heißt es demnach in dem Papier, das sich auf eigene Erkenntnisse und die anderer Sicherheitsbehörden bezieht.

In Italien hätten nigerianische Gruppierungen wie die Supreme Eiye Confraternity oder Black Axe in den vergangenen Jahren bereits feste Strukturen gebildet. Sie agierten dort teilweise "auf Augenhöhe" mit der heimischen Mafia. Italienische und spanische Behörden betrachteten die nigerianischen Banden als besondere Bedrohung.

Nach Erkenntnissen des BND versuchen nigerianische Menschenhändler inzwischen, Flüchtlinge über die westmediterrane Route nach Europa zu bringen. Immer häufiger würden aber auch Papiere von nigerianischen Staatsangehörigen, die sich bereits in Europa aufhalten, dazu genutzt, ähnlich aussehende Personen per Flugzeug einzuschleusen.

Dem Bericht zufolge haben im Jahr 2018 mehr als 10.000 Nigerianer einen Asylantrag in Deutschland gestellt. Das entspricht einer Steigerung um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Experten des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) und der Bundespolizei führen diese Entwicklung vor allem auf die sogenannte Sekundärmigration innerhalb Europas zurück. So ziehen viele nigerianische Flüchtlinge aus Italien, wo inzwischen mehr als 100.000 Menschen aus dem afrikanischen Land registriert sind, weiter in andere EU-Staaten. Eines ihrer Hauptzielländer ist Deutschland. Unter den Migranten aus Nigeria sind dem BND-Bericht zufolge sehr viele Opfer von Menschenhändlern, hieß es weiter. Vor allem Frauen würden sexuell ausgebeutet und in die Prostitution gezwungen, um ihre Schleuser zu bezahlen.

Das ölreiche Nigeria ist Afrikas größte Volkswirtschaft, dennoch lebt die Mehrheit der Bevölkerung in extremer Armut. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 53 Jahre.