Frankreich - Proteste gegen Antisemitismus Tausende Menschen sind am Dienstag in Paris gegen Antisemitismus auf die Straße gegangen. In Frankreich gab es in letzter Zeit einen Anstieg von antisemitischen Taten. © Foto: Christophe Ena/AP/dpa

Tausende Menschen haben in ganz Frankreich gegen Antisemitismus protestiert. In der Hauptstadt Paris versammelten sich die Menschen auf dem Place de la République. "Nein zur Banalisierung des Hasses" oder "Es reicht" war auf ihren Plakaten zu lesen. An der Kundgebung in Paris, zu der 18 Parteien gemeinsam aufgerufen hatten, nahmen auch Premierminister Edouard Philippe sowie mehr als die Hälfte der Kabinettsmitglieder teil.

In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass es in Frankreich im vergangenen Jahr 541 antisemitische Straftaten gab. Diese Zahl ist damit um 74 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Präsident Emmanuel Macron kündigte bei einem Besuch im elsässischen Quatzenheim neue Gesetze an. Auf dem dortigen jüdischen Friedhof hatten Unbekannte rund hundert Gräber geschändet. Grabsteine wurden mit Hakenkreuzen beschmiert. Am Wochenende war der jüdische Philosoph Alain Finkielkraut am Rande einer "Gelbwesten"-Demonstration beleidigt worden.

Auch im Ausland gab es bestürzte Reaktionen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verlangte von Frankreich und Europa, anzustehen gegen Judenhass. Antisemitismus sei eine Seuche, "die alle in Gefahr bringt, nicht nur uns". Er müsse, wo und wann auch immer er sich zeige, angeprangert werden.

Neben Paris hatten auch in Dutzenden weiteren Städten Vertreter des gesamten politischen Spektrums Bürger aufgerufen, unter dem Motto "Das ist genug" zu demonstrieren. Nach seiner Rückkehr aus dem Elsass besuchte Macron zusammen mit den Vorsitzenden der beiden Parlamentskammern das Holocaustmahnmal in Paris und legte einen Kranz nieder.

Der ehemalige französische Präsident Francois Hollande sagte bei seiner Ankunft auf dem Place de la République, "der Antisemitismus ist eine Geißel, er ist ein Angriff auf die Republik". Dabei handele es sich "nicht um eine Angelegenheit der Juden", sondern um "eine Angelegenheit ganz Frankreichs".

Frankreich ist nach Israel und den USA das Land mit der drittgrößten jüdischen Bevölkerung.