Das Risiko, Opfer eines Hassverbrechens zu werden, ist für Asylsuchende in Ostdeutschland deutlich höher als in den westlichen Bundesländern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Mannheimer Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung. Bedeutender Einflussfaktor sei dabei, wie viel Erfahrungen die Einheimischen in der Vergangenheit mit Zuwanderern gemacht haben.

Die Zahl der Angriffe sei demnach "in Regionen mit einem zuvor geringen Ausländeranteil höher als in Regionen mit einem bereits hohen Ausländeranteil." Die wirtschaftlichen Bedingungen vor Ort spielten hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Unter Hasskriminalität im Sinne der Studie werden politisch motivierte Straftaten wie Volksverhetzung, Hakenkreuz-Schmierereien, körperliche Angriffe und Brandanschläge verstanden.

Für die Studie wurden 1.155 Vorfälle aus den Jahren 2013 bis 2015 ausgewertet, die Jahre der beginnenden Flüchtlingskrise. In diesem Zeitraum war die Zahl der Angriffe pro 100.000 Einwohner mit 9,76 in der Region Sächsische Schweiz-Osterzgebirge am höchsten, gefolgt vom brandenburgischen Landkreis Uckermark und vom Saalekreis in Sachsen-Anhalt. Der Studie zufolge gab es in diesem Zeitraum bundesweit 118 Kreise, in denen kein einziger Übergriff auf Asylsuchende gemeldet wurde. Von diesen 118 Kreisen liegen nur 4 in den östlichen Bundesländern. Deutschland hat knapp 300 Kreise.

Allgemein gerechnet kam es im selben Zeitraum in einem ostdeutschen Kreis bei einem Ausländeranteil von drei Prozent und einer Ansiedlung von 1.000 Asylsuchenden pro 100.000 Einwohnern durchschnittlich zu zwei bis drei Übergriffen im Jahr. Für einen vergleichbar großen Kreis in Westdeutschland wurden statistisch 0,4 bis 0,6 Übergriffe ermittelt.